Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1236.

Ira et studio et televisio

Mit polemischer Vehemenz hat unser Autor Jörg Bernhard Bilke im letzten Heft (KK 1235 vom 10. März) den Teilnehmern der Gesprächsrunde bei Sabine Christiansen zum Fernseh-Zweiteiler „Die Flucht“ Wissenslücken nachgewiesen. So erfrischend das erscheint, so notwendig ist es, Unstimmigkeiten richtigzustellen, die im Eifer der aktuellen Diskussion auch der Redakteur übersehen hat.

Die Gesprächsteilnehmerin Tatjana Gräfin Dönhoff ist nicht die Verfasserin des Filmdrehbuchs, sondern des Romans, der dem Film zugrundeliegt, und mit Blick darauf kann man ihr fürwahr keine Geschichtsblindheit vorwerfen.

Hellmuth Karasek ist in Bielitz aufgewachsen, doch oberschlesisch ist dieses nie gewesen. Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges gehörten die Landkreise Biala, Bielsko und Wadowice zu Polen, und zwar Bielsko zur Woiwodschaft Schlesien und Biala und Wadowice zur Woiwodschaft Krakau. Nach der deutschen Besetzung im September 1939, vor der Eingliederung in das Deutsche Reich, wurde der Landkreis Bielsko in Bielitz umbenannt, die gleichnamige Stadt war Sitz des Landratsamtes.

Die Aufzählung der Autoren, die das dramatische Kriegs- und Nachkriegsgeschehen in Ostdeutschland erzählerisch gestaltet haben und deren Werke verfilmt worden sind, ist naturgemäß selektiv, doch Günter Grass hätte trotz aller Bedenken genannt werden müssen.

Der polnische Germanist und Philosoph Marek Cichoki firmierte als Berater des polnischen Präsidenten, zumal das Land derzeit eine Außenministerin hat. Zeitzeugen seien nicht gefragt gewesen, moniert unser Autor, allerdings ist Hellmuth Karasek ein solcher, wenngleich kein Ostpreuße und nicht nach seinem eigenen Erleben befragt.

Zu danken ist den Lesern, die Autor und Redakteur darauf aufmerksam gemacht haben, wie wichtig es ist, daß Kritiker sich möglichst keiner Kritik aussetzen. Eberhard Günter Schulz hat in seinem Beitrag auf den Vorseiten in diesem Heft  erhellende Überlegungen zu den Schwierigkeiten angestellt, in einem Massenmedium wie dem Fernsehen dermaßen schicksalsträchtige Themen angemessen zu behandeln.

Daß dies nicht zu aller Zufriedenheit gelingen kann, liegt durchaus auch an den organisatorisch-technischen Sachzwängen, die nicht den Beteiligten zur Last zu legen sind.

(KK)

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