Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1219.

Jene malen, die das Leben gezeichnet hat

Eine Ausstellung Wolfgang von Webskys, des schlesischen Malers an der Schnittstelle von Impressionismus und Expressionismus

Offizier in zwei Weltkriegen und Maler, so ließe sich der Lebenslauf von Wolfgang von Websky überschreiben. Kurz vor Ende des 20. Jahrhunderts, 1992, ist er in Wangen im Allgäu gestorben. Im Zweiten Weltkrieg wurde er gleich 1939 als Reserveoffizier eingezogen und 1950 nach fünfjähriger sowjetischer Kriegsgefangenschaft entlassen. Aber der Weg führte ihn nicht wieder auf das heimatliche Gut im Kreis Schweidnitz in Schlesien. Als entlassener Kriegsgefangener und aus der Heimat Vertriebener fand er die Familie im oberbayrischen Steingaden. Als die schlesische Künstlerkolonie 1952 in Wangen im Allgäu gegründet wurde, fand er hier sein neues Zuhause.

Wer war Wolfgang von Websky? Bilder aus den knapp zwei Jahrzehnten der Zwischenkriegszeit konnte er nicht zeigen, denn sein malerisches und zeichnerisches Werk war aufgrund des Krieges und seiner Folgen verlorengegangen. Darum wohl auch die bewundernswerte Energie, sich als Künstler zu beweisen und zu behaupten. Und dies ist ihm gleich im ersten und zweiten Jahrzehnt nach der Rückkehr in die Freiheit großartig gelungen.

Obwohl viel gerühmt und durch zahlreiche Auszeichnungen geehrt, den Professorentitel eingeschlossen, spielt Wolfgang von Websky im aktuellen Kunstgeschehen keine besondere Rolle. Ein Maler ist leider schnell vergessen, wenn sein Werk nicht immer wieder zu sehen ist, mancherorts zugänglich gemacht wird. Die Stadt Wangen unterhält eine Dauerausstellung mit ausgewählten Werken, im Wissenschaftszentrum Bonn-Bad Godesberg konnten (aufgrund des persönlichen Engagements seines Sohnes) von Ende Januar bis Anfang April 2006 unter dem Titel „Ein Maler im Widerstand gegen die Zeit“ Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen gezeigt werden.

Die allgemeine Öffentlichkeit war hier allerdings geradezu ausgeschlossen, denn zum Besuch der Ausstellung, für die zwei gute Kataloge vorlagen, mußte man sich erst telefonisch anmelden, um Zutritt zu erlangen.

Der Titel der Ausstellung klingt politisch, hat allerdings insofern seine Berechtigung, als Wolfgang von Websky zwar Impressionismus und Expressionismus erfahren und erlebt hat, aber keiner Kunstrichtung verfallen, sondern ein Individualist geblieben ist. Seine Größe sind die vielen Porträts, und diese zeichnen sich durch die ihm eigene Komposition der Farben aus und eine Stimmung des Augenblicks, in dem der Maler seinem Gegenüber im Malakt begegnet ist. Ein Individualist wollte Individualisten erkennen und sie in subjektiv gewählten Farben festhalten. Heiterkeit spricht nicht aus den Gesichtern, es sind ernst dreinschauende Personen mittlerer und älterer Generationen, gleichsam vom Leben gezeichnete Züge.

Die Landschaften haben wie die wenigen Stilleben etwas Geordnetes, akzentuiert durch Bäume, die, als seien sie eigens in den Raum gepflanzt, die Akzente setzen. Die Zeichnungen sind sehr gefällig, da der Schein erweckt wird, hier sei mit leichter und schneller Hand gezeichnet worden. Im Verhältnis zu der Schwere, dem Ernst der Porträts sind diese Zeichnungen heitere Kammermusik.

In der Presse machte ein knapper Artikel auf die Ausstellung aufmerksam. Der etwas mühsame Zutritt wird leider nicht dazu beigetragen haben, die Bilder dieses schlesischen Malers unserer Zeit bekannter zu machen. Das ist betrüblich, denn Wolfgang von Websky ist der Schöpfer eines sehenswerten Werks, dessen man sich vergewissern, das man sich vergegenwärtigen sollte.

Herbert Hupka (KK)

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