Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1281.

Karpatencharakter

Das Heimatland an deren Fuß ehrt Hans Bergel, der es verlassen mußte, um ihm das wahre Wort reden zu können

„Wer die Welt erwärmen will, muß ein großes Feuer in sich tragen." Mit Verve zitiert der Botschafter von Rumänien in der Bundesrepublik Deutschland, Lazar Comanescu, den belgischen Priester Phil Bosmans. Hans Bergel ist es, auf den diese Worte zutreffen sollen. Am 15. September erhielt der Schriftsteller im Atrium der rumänischen Botschaft in Berlin den Kultur-Verdienst-Orden im Offiziersgrad, Kategorie A, „Verdienste auf literarischem Gebiet".

Einem, der die dramatischste Periode Rumäniens „schmerzhaft erlebt" hat, ohne völlig zu verzweifeln und daran zugrunde zu gehen, ist ein „Orden im Offiziergrad, Kategorie A" gewiß weniger wichtig als die nostalgische Beschreibung einer Landschaft, die geprägt und inspiriert hat – die der Karpaten. Es ist zu vermuten, daß ihm Dichter und Denker wie Blaga, Noica, Cioran näher stehen.

Vom Fuße der Karpaten stammt er, an den Fuß der Alpen hat es ihn verschlagen. Als Schriftsteller und Journalist hat sich der in Rosenau bei Kronstadt geborene Autor einen Namen gemacht – sein umfangreiches Werk (Romane, Novellen, Erzählungen, Lyrik, Essays, Sach- und Jugendbücher) ist in viele Sprachen übersetzt. Als Zeitzeuge und Opfer eines totalitären politischen Systems setzte er sich stets für die Wahrung der Menschenrechte hinter dem Eisernen Vorhang ein und ließ seinerzeit keinen Anlaß aus, um auf die beklagenswerte Situation der Menschen in den Ostblockstaaten aufmerksam zu machen.

Bis auf den heutigen Tag bemüht er sich, Brücken zwischen Ost und West zu schlagen. Er, der im kommunistischen Rumänien herbe Schläge einstecken mußte – drei Inhaftierungen unter den menschenunwürdigsten Bedingungen –, wird als 84jähriger nicht müde, die rumänische Kultur in zahlreichen Vorträgen einer breiten Öffentlichkeit nahezubringen. Seit 1990, betonte Bergel in seiner Dankesrede beim Festakt in der rumänischen Botschaft, bemühe er sich um den interkulturellen Dialog: In Jassy, Bukarest, Klausenburg wolle er Rumänen für die deutsche Kultur sensibilisieren, in München, Berlin, Tübingen die Deutschen für die rumänische. Die Auszeichnung mit dem Kultur-Verdienst-Orden betrachte er als Anerkennung für dieses Engagement, das einem „europäischen Gedanken" gewidmet sei.

Dialog bedeutet – Sprache wagen! Bergels Worte des Dankes waren in beiden Sprachen, Rumänisch wie Deutsch, wohlklingend schlicht, aber ausdrucksstark.

Ingeborg Szöllösi (KK)

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