Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1289.

Kinderglück in Serienproduktion

Haus Schlesien bietet einen niedlichen, aber nicht verniedlichenden Blick auf Käthe Kruses Leben und ihre Puppen

Ein Rundgang durch die Ausstellung „Käthe Kruse. Ihr Leben und ihre Puppen“ im Museum für schlesische Landeskunde von Königswinter-Heisterbacherrott ist eine Exkursion in die Vergangenheit. Zu sehen sind bis zum 9. Mai in thematischen Szenen gruppierte Musterpuppen aus allen Herstellungsphasen, die Dr. Kathrin Schneider zur Verfügung gestellt hat. Die leidenschaftliche Sammlerin, die die Kollektion von Helga Nicodemus übernommen hat, verriet bei der Vernissage, wie sie die Faszination der Käthe-Kruse-Puppen für sich entdeckt hat. In Vitrinen werden neben der Biographie der Puppenmacherin auch technische Entwicklungen, typische Merkmale der Exponate und einschlägige Literatur vorgestellt.

Getreu dem Motto „Das Beste für die Kinder“ betrachtete Katharina Simon – wie Käthe Kruse mit Mädchennamen hieß – ihre Kreationen vor allem als treue Begleiter für kleine Menschen. Heute werden die inzwischen weltbekannten Puppen als Sammelobjekte geschätzt, deren Faszination Kinder und Erwachsene gleichermaßen in den Bann zieht.

Die 1883 in Breslau geborene und 1968 in Murnau am Staffelsee verstorbene Künstlerin entfaltete schon früh erstaunliche Talente. Sie fand Zugang zu philosophischen Betrachtungen, malte, fotografierte, zeichnete und brachte alles, was sie bewegte, erlebte, erdachte und erfühlte, zu Papier. Ihre Karriere begann im Jahre 1910, als sie vom Warenhaus Tietz, Berlin, die Einladung erhielt, sich mit ihren Puppen an der Ausstellung „Spielzeug aus eigener Hand“ zu beteiligen. Als sie zwei Großaufträge aus Amerika erhielt, gründete Käthe Kruse ihre erste eigene Puppenwerkstätte in Bad Kösen. Dort startetedie Serienproduktion nach dem Muster der in Berlin ausgestellten Puppen, die heute unter der Bezeichnung „Puppe I“ bekannt sind. Herausragende Merkmale eines Käthe-Kruse-Originals sind der mit Stoff überzogene Kopf, der kindliche und ernste Gesichtsausdruck sowie die damit erreichte natürliche Ausstrahlung. Käthe Kruse entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer Legende – ein Prozeß, der nicht zuletzt durch ihren Ehemann, den Bildhauer und Buchautor Prof. Max Kruse, positiv beeinflußt wurde. Er galt als markante Persönlichkeit des alten Berlin, der bleibende Werke wie den „Siegesboten von Marathon“ geschaffen hat.

Die Puppenmacherin entwarf zahlreiche Modelle, Bekleidungen und Accessoires, die sie weltweit im Fachhandel plazierte. Die wichtigsten Stationen in der Entwicklung der Manufaktur werden durch die ab 1916 hergestellten filigranen Puppenstuben, das seit 1922 gefertigte „Schlenkerchen“ („Puppe II“), die 1925 vorgestellten Modelle „Träumerchen“ („Puppe V“) und „Du Mein“ („Puppe VI“) sowie die seit 1928 vertriebene „Puppe VIII“ – auch als das „Deutsche Kind“ oder als „Friedebald-Puppe“ bekannt – veranschaulicht. Ein weiterer Meilenstein ist der „Kleine Soldat“, dem dank patentiertem Drahtskelett eine natürliche, menschenähnliche Haltung gegeben werden kann.

Die Hochzeits-Szene in der Königswinterer Ausstellung – bestehend aus einer Braut (kleines „Deutsches Kind“, etwa um 1934), einem Bräutigam (kleine KK-Puppe, gemalte Haare, etwa um 1930) und Blumenkindern – ist ebenso ansprechend wie das stimmungsvolle Weihnachtszimmer. Zu den Kreationen der Breslauer Kunsthandwerkerin gehören auch bewegliche Schaufensterfiguren, die ebenfalls in der Schau von Haus Schlesien vertreten sind.

(KK)

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