Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1268.

Klassische Moderne, moderne Preise

Das Auktionshaus Lempertz in Köln beweist mit seinem östlich geprägten Sortiment Gespür für den westlichen Kunstmarkt

Mit der Versteigerung „Moderne Kunst“ beendete das Auktionshaus Lempertz in Köln sein Geschäftsjahr 2008. Es war die 932. Auktion dieses Hauses. Angeboten wurden 422 Arbeiten der freien und angewandten Kunst. Daß in diesem westeuropäischen Auktionshaus Arbeiten aus dem Osten den größten Raum einnehmen, mag überraschen. Doch die Zentren der Klassischen Moderne lagen neben Paris ja in Ost- und Mitteldeutschland und in Osteuropa, in Weimar und Dessau (Bauhaus), in Breslau (Kunstakademie), in der Verlagsstadt Leipzig, in Dresden, das durch die Maler der „Brücke“ Eingang auch in die moderne Kunst fand. Bis zum Verlust Ostpreußens kamen aus diesem Land des Deutschen Reiches berühmte Künstler wie Käthe Kollwitz, Lovis Corinth, Ute Steffens, Doris Hochberger, Liselotte Strauss, Rolf Cavael.

Natürlich begegnete man auch bei Lempertz Werken Berliner Künstler. Die „Wannseelandschaft“ von 1925/1927 von Max Liebermann (1847–1935) erbrachte 310000 Euro. Das Gemälde „Kampf um die Leiche des Patroklos“ des Berliners Magnus Zeller (1888–1872) fand für 1800 Euro den Zuschlag. Die Holzskulptur „Kniendes Mädchen mit Krug“ der Berlinerin Milly Steger erreichte die Taxe von 5200 Euro.

Einst war Berlin ja nicht nur die Reichshauptstadt, sondern auch die Metropole der modernen Kunst. Zu den hier Geborenen gesellten sich aus ganz Deutschland und dem Ausland fortschrittliche Künstler und wurden seßhaft. Unter der Nazi-Diktatur wurden die avantgardistischen Künstler verfolgt, mit dem diffamierenden Attribut „entartet“ gekennzeichnet und sogar in KZs interniert. In der Lempertz-Auktion und deren Vorschau spiegelten sich jene Jahre und illustrierten die neuere Kunstgeschichte.

Wie allgemein üblich befand sich die Skulptur auch in der Kölner Auktion quantitativ hinter der Malerei. Neben den Plastiken von Ernst Barlach behaupteten sich die figuralen Bronzen des Georg Kolbe (1877, Waldheim/Sachsen – 1947, Berlin), denen auch Zeichnungen des Künstlers beigelegt wurden. Seine Plastik eines kniedenden Mädchens „Beatrix“ wechselte für den Schätzwert von 36 000 Euro ihren Besitzer.

Auch vom berühmten Alexander Archipenko (1887, Kiew – 1964, New York) gab es eine Bronzeplastik. Das in zwölf Exemplaren existierende Werk ersteigerte ein deutscher Sammler für 140000 Euro. Genannt sei ferner der Tierplastiker August Gaul, auch er übersiedelte aus der Provinz nach Berlin, wo er bis zu seinem Tode 1921 erfolgreich tätig war. Seine „Spielenden Bären“ (Bronze) erzielten die Taxe von 11000 Euro, seine „Eselsreiterin“ überstieg mit 8000 Euro den Schätzpreis um 2000 Euro, für seinen „Eilenden Bären auf Hinterbeinen“ (Silber) bestand allerdings kein Interesse.

Auch für jene Freunde der modernen Kunst, die an der Auktion nicht aktiv teilnahmen, boten Versteigerung und Ausstellung ein positives und bereicherndes Ereignis in der Kölner Reihe der Museums- und Galerieveranstaltungen.

Günther Ott (KK)

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