Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1344.

Kleinodien vom Kannenbäcker

Keramik der Sammlung Peltner im Haus Schlesien

Kleinodien-vomVor nahezu 60 Jahren fand die aus Niederschlesien vertriebene Familie Peltner bei Höhr-Grenzhausen im Kannenbäckerland eine neue Heimat. In der traditionellen Töpferregion im Westerwald schuf sie eine Kunsttöpferei und das Töpfermuseum „Im Kannenofen“.

Georg Peltner war zudem ein leidenschaftlicher Sammler, der versucht hat, möglichst viele Erzeugnisse aus Schlesien zusammenzutragen. Auslöser für seine „Sammelwut“ war die mutwillige Zerstörung zahlreicher kultureller Schätze in der Kriegs- und Nachkriegszeit. Er wollte schlesisches Kulturgut jeder Art bewahren und schützen, so dass die Traditionen auch an die nachkommenden Generationen weitergegeben werden können. Er wurde in Höhr-Grenzhausen Keramik-Ingenieur und übernahm eine kleine historische Töpferei. Hier fertigte er Produkte nach Bunzlauer Tradition und begann mit dem Zusammentragen schlesischer Erinnerungsstücke.

Die Sammlung, die Peltner hinterlassen hat, umfasst mehrere Tausend Gefäße und diverse Objekte. Neben Bunzlauer Keramik sammelte er auch schlesische Porzellane aus dem 19. und dem frühen 20. Jahrhundert sowie Proskauer Fayencen aus dem 18. und dem frühen 19. Jahrhundert. Hinzu kommen schlesische historische Landkarten, Städteansichten und alte Stiche sowie eine umfassende Spezialbibliothek zu den Sammlungsbeständen und „Silesiaca“.

Wie sein Sohn Bolko Peltner erzählt, hat der Vater im Laufe der Jahre ein weitverzweigtes Netzwerk zu ehemaligen Landsleuten und Schulfreunden, zu Sammlern und Gleichgesinnten sowie zu profilierten Institutionen auf der ganzen Welt aufgebaut. Peltner junior nimmt übrigens auch heute noch regelmäßig am Schlesischen Tippelmarkt in Görlitz teil und führt die Schlesisch-Bunzlauer-Tradition fort. Der Kunsthistoriker leitet den Handwerksbetrieb in Höhr-Grenzhausen und zeigt den Besuchern gerne das eine oder andere seltene Exponat im hauseigenen Museum. In der Kunsttöpferei wird in der Tradition der Bunzlauer Keramik gearbeitet.

Die beeindruckende Keramik-Sammlung reicht von alten Mineralwasserflaschen über Tüllenkannen und Schraubkruken bis hin zu modernem Geschirr. Georg Peltner hatte schon vor fast 60 Jahren den hohen Kulturwert der Keramik erkannt. Gerne erfüllt Peltner jun. den Wunsch seines Vaters, Exponate aus der Sammlung profilierten Häusern zwecks Ausstellung und Dokumentation zur Verfügung zu stellen.

Ausgewählte Exponate aus der Sammlung waren im Laufe der Jahre unter anderem im Museum für Deutsche Volkskunde Berlin, im Deutschen Keramikmuseum Hetjens Museum Düsseldorf und im Norddeutschen Landesmuseum Hamburg zu sehen. Das Schlesische Museum zu Görlitz zeigt einen Ankauf der Bundesrepublik Deutschland aus der Bunzlauer Sammlung. Hinzu kommen wissenschaftliche Kooperationen mit dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg sowie mit international renommierten Sammlern und Forschern, beispielsweise mit dem „Ötzi-Forscher“ Professor Dr. Konrad Spindler von der Universität Innsbruck.

Bis zum 24. August 2014 ist eine repräsentative Auswahl im Rahmen der Sonderausstellung „Von der Erinnerung geprägt. Schlesische Sammler und ihre Schätze“ im Haus Schlesien von Königswinter-Heisterbacherrott zu sehen. Die Präsentation stellt mit Dr. Rainer Lemor, Georg Peltner und Gerhard Soppa drei Sammlerpersönlichkeiten mit schlesischen Wurzeln vor. Aus der Peltner-Sammlung sind Gefäße in Form von Tüllenkannen, Schraubkruken und Krügen ausgestellt. Zu den Besonderheiten gehören hochgebrannte Irdenwaren wie etwa die Schraubflasche aus Bunzlau 1640/50 und die Schraubkruke aus Muskau Anfang des 18. Jahrhunderts sowie ein Krug Bunzlauer Keramik um 1650/60.

D. G. (KK)

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