Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1320.

Kultur darf sich nie selbst genügen

Jedoch sich selber feiern wohl: 30 Jahre Kulturzentrum Ostpreußen im Ellinger Deutschordensschloß

Mit einem Festakt und einem umfangreichen Rahmenprogramm beging das Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen sein 30jähriges Bestehen. Zugleich wurde an die Gründung des Fördervereins vor 15 Jahren erinnert.

„Nur etwa zwei Jahre sollte ich den Vorsitz des Fördervereins für das Kulturzentrum Ostpreußen übernehmen“, so Katharina Fürstin von Wrede zum 15jährigen Bestehen des Vereins. Sie leitet ihn heute noch, da sie immer wieder das Vertrauen der Mitglieder bekam. Der am 10. Mai 1997 gegründete Förderverein hat sich zur Aufgabe gemacht, die Arbeit des Kulturzentrums Ostpreußen im Ellinger Deutschordensschloß sowie die Zusammenarbeit mit Künstlern, Jugendlichen und verschiedenen Einrichtungen in Ostpreußen ideell und materiell zu unterstützen. Ziel ist es ebenfalls, jungen Menschen ostpreußischer Abstammung die Geschichte Ostpreußens und damit auch ihrer Familien näher zu bringen und wach zu halten.

Katharina von Wrede sieht den Sinn des Vereins als erfüllt an. Für Ankäufe von Exponaten, Büchern, historischen Karten, Erstellung einer aktuellen Homepage und Unterstützung bei Restaurationen hat der Verein, der aktuell 116 Mitglieder zählt, in all den Jahren rund 42000 Euro zur Verfügung gestellt. Ein besonderes Lob ging an Gründungsmitglied Brigitte Hildebrandt. Sie hat seither das Amt der Schriftführerin inne und sich jahrelang um die Organisation von Reisen nach Ostpreußen gekümmert.

Zu ihrem Leidwesen, so von Wrede, mußten die Ellinger Trakehner-Tage nach dreimaliger Durchführung mangels Sponsoren wieder eingestellt werden. Für die Zukunft sagte sie der Kultureinrichtung die weitere Unterstützung des Vereins zu.

Der Vorsitzende des Stiftungsrates der Ostpreußischen Kulturstiftung und Altsprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Wilhelm von Gottberg, bewunderte die große Fan-Gemeinde des Kulturzentrums, welches aber ohne die Hilfe von Vorstand und Stiftungsrat der Kulturstiftung seinen Bildungsauftrag nicht in dieser Form wahrnehmen könnte. Der Stiftungsratsvorsitzende würdigte zudem die Hilfe des Freistaates Bayern, denn die Erinnerung an den Osten des ehemaligen Deutschen Reiches sei nicht nur eine Aufgabe der ehemaligen Bewohner dieser Landstriche, sondern aller Deutschen. Als Beispiele für die Unterstützung der Landsmannschaft nannte von Gottberg den Zuschuß in Höhe von damals 750000 Mark für das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg, zudem stamme der Grundstock der Ostpreußischen Kulturstiftung in Höhe von 150000 Euro rein aus privaten Zuwendungen. Die Stiftung habe das Kopernikus-Haus in Allenstein erworben, dessen Ausbau wiederum der Freistaat Bayern übernommen habe.

Somit werde klar, daß nicht nur der Staat, sondern die Vertriebenen selbst eine hohe finanzielle Leistung zur Bewahrung von Wissen und Kulturgut bringen. Die 750jährige Geschichte Ostpreußens könne nicht durch eine Augenblicksempfindung beiseite geschoben werden, führte von Gottberg weiter aus, sie dürfe auch nicht als historisch abgeschlossene Zeit betrachtet werden, um so weniger, als Ostpreußen eine andere Geschichte habe als das übrige Reichsgebiet. Die Missionierung, der dortige geistige Freiraum, die Gründung des Herzogtums und der Universität Königsberg waren die Basis für den Aufstieg Preußens zur Führungsmacht in Deutschland. Dabei war Ostpreußen erst ab 1871 Teil des Deutschen Reiches.

„Ich war 1985 das erste Mal in Ostpreußen“, sagte Friedrich-Wilhelm Böld aus Augsburg, der Landesvorsitzende der Landsmannschaft Ostpreußen in Bayern und als Schatzmeister Mitglied des Bundesvorstandes. Als Mitglied der Bekenntnisgeneration hatte er zuvor den Eindruck nostalgischer Illusion, wenn die Alten sagten, in Ostpreußen sei der Himmel blauer, die Wolken weißer und die Luft klarer. Nach seiner ersten Reise konnte er aber den Eindruck bestätigen. Seither setzt er sich für den Kampf gegen Unkenntnis und Desinteresse an der deutschen Geschichte ein, die in Ellingen von Wolfgang Freyberg und seinem Team aufbereitet wird. Das Wissen müsse in authentischer Form unbedingt den kommenden Generationen vermittelt werden. Dies gelinge um so besser, als nun die heutige Bevölkerung der dortigen Gebiete durch Ausstellungen über ihre Geschichte informiert wird und Ausstellungen von dort in Deutschland gezeigt werden.

Neben den Grußwortrednern konnte Wolfgang Freyberg, der Direktor des Kulturzentrums Ostpreußens, zum 30jährigen Jubiläum der musealen Einrichtung im Ellinger Barockschloß zahlreiche weitere Gäste begrüßen, darunter Ellingens Bürgermeister Walter Hasl. Freyberg ging vor gut 100 Anwesenden ferner auf den 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen und den 125. Geburtstag Ernst Wiecherts ein, dessen Lebenswerk derzeit in einer Ausstellung in Ellingen gewürdigt wird.

Die musikalische Ausgestaltung der Feierstunde hatten der Bariton Christoph von Weitzel und die Gitarristin Heike Matthiesen übernommen, die die Besucher mit Liedern wie das von Heinrich Eichen geschriebene „Abends treten Elche aus den Dünen“ oder dem „Ännchen von Tharau“ erfreuten. Beendet wurde die Feierstunde mit dem gemeinsam gesungenen „Ostpreußenlied“.

Manfred E. Fritsche (KK)

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