Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1240.

Kulturhistorische Realität, aufgehoben in digitaler Virtualität

CDs zur schlesischen Geschichte und Kulturgeschichte

Die Oder. Dokumente der Jahrhunderte. Volltextedition nach historischen Vorlagen im pdf-Format, herausgegeben von Stephan Kaiser (Digitale Quellen zur schlesischen Geschichte, 2). Königswinter 2006. 24,80 Euro

Die Oder ist Schlesiens großer Strom. Mit vielen Nebenflüssen entwässert sie das ganze Land. Die natürlichen Hochwasserfluten und die wirtschaftlichen Anforderungen waren über viele Jahrhunderte Anlässe für wasserbauliche Maßnahmen. Dadurch ist die Oder als Wasserweg an die wechselnden Bedürfnisse der Zeit angepaßt worden. Vieles ist über die Oder und was mit ihr an kulturellen, wirtschaftlichen und naturkundlichen Aspekten verbunden ist, publiziert worden. Allerdings sind erst wenige neuere Publikationen verfügbar, und darin kommt das wichtige Altmaterial kaum vor.

Aus diesem Grund entstand eine CD, auf der 40 seltene deutschsprachige Werke mit über 8000 Textseiten sowie zahlreichen Tabellen und Karten digitalisiert ediert sind. Jede Publikation wurde separat als pdf-Dokument gespeichert und ist einzeln benutzbar. Beim Selbststart der CD bietet sich eine Einführung und ein umfassender Überblick enthaltener Werke. Eine interne Navigation führt durch die teilweise sehr umfangreichen Werke. Die Edition ermöglichte das Museum für schlesische Landeskunde im Haus Schlesien mit finanzieller Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen und technischer Unterstützung der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne.

Was hier geboten wird, eröffnet viele neue Blickwinkel. Das älteste Werk, „Gründlich und genau durchsuchter Oderstrohm“ von Caspar Schneider, ist in Nürnberg 1689 publiziert worden. Nicht immer zuverlässig berichtet Daniel Gomolcken 1736 über verschiedene Katastrophen. Eine Reihe von Denkschriften fordert ab 1849 den Ausbau der Wasserstraße, dann den Hochwasserschutz und schließlich Verbindungskanäle zu anderen Wasserwegen. Die CD beinhaltet auch das höchst wichtige, durchaus seltene und wenig benutzte Werk der Oderstrombauverwaltung von 1896, das übrigens auch die komplette Warthe abdeckt.

Umfangreich sind auch die Jahresberichte dieser preußischen Verwaltung, die viele Daten über Warenwirtschaftsströme in Schlesien enthalten. Eine Fundgrube ist der umfangreiche Band zur schlesischen Oderschiffahrt in vorpreußischer Zeit, die Konrad Wuttke 1896 in Breslau herausgab. Wer sich dagegen heute als Freizeitschiffer auf die Oder begibt, dem kann immer noch der 5. Band vom „Führer auf den Deutschen Wasserstraßen“ zum Odergebiet, hier in der 3. Auflage von 1909, hilfreich sein, denn die Flußkilometrierung ist auch ein Jahrhundert später noch gültig.     
        

Spuren schlesischer Kunstdenkmäler. Das Inventar von Hans Lutsch und amtliche Berichte zur Denkmalpflege (Digitale Quellen zur schlesischen Kulturgeschichte, 3). Ratingen 2007. 25,80 Euro

Für die Vor- und Nachbereitung von Schlesienreisen gibt es mit dieser CD-Edition eine alte denkmalkundliche Basis in neuer Form.

Schlesiens erstes amtliches Kunstdenkmalinventar gab der preußische Povinzialdenkmalpfleger Hans Lutsch in den Jahren 1886 bis 1903 heraus. Von 1891 bis 1937 wurden auch amtliche Jahresberichte über Erhaltungsmaßnahmen in allen damals preußischen Landesteilen publiziert. Diese Materialien sind normalerweise kaum benutzbar, denn es gibt nur wenige Drucke in Bibliotheken und Sammlungen. Nun lassen sich leicht und beliebig Kopien zu interessierenden Orten und Objekten mit dem eigenen PC-Drucker erstellen.

Auf der vorliegenden CD wurden alle Publikationen separat als pdf-Dokumente gespeichert. Zur erleichterten Nutzung tragen elektronische Register bei. Wer sich so auf die Reise vorbereitet, der erfährt an Ort und Stelle viele Überraschungen. Mit dem „Dehio Schlesien“ (Berlin, München 2005 bzw. in polnischer Fassung Warschau 2006) ist man zwar gut bedient und aktuell informiert, auch hinsichtlich eines erweiterten Denkmalbegriffes. Doch der große Vorzug des „Lutsch“ liegt da, worin er vornehmlich „Alterthümer“ sah. So nennt er bei vielen kirchlichen Epitaphien die Lebensdaten der dargestellten Persönlichkeiten und gibt die Inschriften vollständig wieder.

Hans Lutsch, ein kunstgeschichtlicher Einzelkämpfer, war zu seiner Zeit erstaunlich umtriebig. Viele Ortschaften hat das Erfassungsteam des Dehio-Bandes ausgelassen. Zudem kann man heute nur verzeichnen, was geblieben ist. Ein Beispiel wie Glogau offenbart die Bedeutung älterer Denkmalbeschreibung. So ist die Lektüre für den Kenner der Kunstlandschaften Schlesiens ein großer Gewinn und dem Anfänger eine Wegweisung.

Die Edition nahm die Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen, dank finanzieller Förderung des Freistaates Sachsen und technischer Unterstützung der Martin-Opitz-Bibliothek, Herne, vor.

Glanzpunkte schlesischer Keramik. Fayencen aus Proskau und Glinitz in Museen und Sammlungen (Digitale Quellen zur schlesischen Kulturgeschichte, 4). Ratingen 2007. 19,80 Euro

Wer sich die europäische Keramikproduktion ansieht, der wird die Fayencen aus Proskau und Glinitz als Zierde barocker Tafeln kennen und schätzen. Ein Katalog zu Beständen in Museen und Sammlungen sowie Angeboten des Kunsthandels weist nun neue Wege. Denn die umfangreiche Edition der Stiftung Haus Oberschlesien vereint verschiedene Ziele. Als Pilotvorhaben konnten mit finanzieller Förderung des Freistaates Sachsen die Bestände einer Vielzahl von Museen in Deutschland, Polen und der Tschechischen Republik erfaßt und ausgewertet werden.

In einer Art virtuellem Museum kann man somit am heimischen Computer feststellen, was es in Berlin, Görlitz, Königswinter und Ratingen wie auch in Beuthen, Grünberg, Neisse, Oppeln, Teschen, Troppau oder Waldenburg zu sehen gibt. Verzeichnet und abgebildet ist auch vieles, was in den jeweiligen Städten nicht ausgestellt ist. Die Gliederung des digitalen Kataloges haben deutsche und polnische Experten unter Leitung des Oberschlesischen Landesmuseums nach Formen und Epochen vorgenommen.

Denn eine Absicht ist es, die Vielfalt der Produktion deutlicher als bisher herauszustellen und damit Lust auf den Besuch schlesischer Museen zu machen. Schließlich sieht man besser hin, wenn schon eine Vorstellung gegeben ist. Und die sinnlichen Freuden der oberschlesischen Fayence waren schon immer teuer, jedenfalls kostspielig im Erwerb. So ist die Vorbereitung dank dieser CD vergleichsweise einfach und günstig. Bei der wissenschaftlichen Einführung wird auch auf weiterführende ältere und neuere Literatur hingewiesen.

Erhältlich sind die CDs der Reihe „Digitale Quellen zur schlesischen Kulturgeschichte“ bei der Stiftung Haus Oberschlesien, Bahnhofstraße 71, 40883 Ratingen, Fax 02102 / 965 400, haus@oberschlesien.de.

(KK)

 

«

»