Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1237.

Kunst aus der Kirche ins Buch gebracht und dem Leser nahe

Der behelmte Kriegsknecht hat das Kind am Beinchen gepackt, das Schwert, mit dem er es auf Befehl des Königs spalten soll, in der hoch erhobenen Rechten. Die Mutter ist vor Salomo auf die Knie gefallen. Sie will den Kindesmord verhindern und breitet in dramatischer Geste die Arme aus. „Mutterhertz das Urtheil giebet“, lautet die Erklärung der bewegten Szene.

Nur wenige der vielen tausend jährlichen Besucher der Friedenskirche zu Jauer, Weltkulturerbe seit kurzem, werden die Zeit haben, alle 143 Abbildungen mit Szenen des Alten und des Neuen Testamentes näher zu betrachten.

Heinrich Graf von Reichenbach hat uns die Mühe abgenommen. Mit Unterstützung verschiedenster Stellen, vor allem aber des „Förderkreises der Friedenskirche zu Jauer“, hat er im Sommer 2003 in langer, mühevoller Arbeit sämtliche Darstellungen an den Emporenbrüstungen mit modernster Technik fotografiert. Herausgekommen ist dabei ein exzellenter Bildband. Eine in Form und Ausstattung erst- und einmalige Bestandsaufnahme und Dokumentation dieser barocken „Bilderbibel“. Jedem Bild gegenübergestellt ist das entsprechende Thema, die einschlägigen Bibelverse und der Meriansche Kupferstich, der dem Maler jeweils als direkte Vorlage diente.

Graf Reichenbach hat es uns bequem gemacht: niemand braucht sich den Hals zu verrenken, niemand ist auf das Fernglas und die nicht immer günstigen Lichtverhältnisse in der großen Kirche angewiesen. In aller Ruhe kann man sich dem Genuß und dem Zauber dieser Malereien hingeben, eintauchen in die fromme, glaubensstarke religiöse Welt unserer Altvorderen im von der Gegenreformation gebeutelten evangelischen Schlesien.

Das schöne Buch ist weit mehr wert als sein Preis. Es eignet sich vor allem hervorragend als repräsentatives Geschenk und sollte in der Bibliothek eines Schlesiers nicht fehlen.

Die Emporenbilder der Friedenskirche zu Jauer. Bestellungen zum Preis von 50 Euro nimmt entgegen: Prof. Dr. Heinrich Graf von Reichenbach, Auf der Glashütte 7, D-30974 Wennigsen

Sigismund Freiherr von Zedlitz (KK)

«

»