Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1278.

Kunst belebt Betrachter wie Gegenstand

Renate Friedländer im Kölnischen Stadtmuseum

Anläßlich des 80. Geburtstages der Berliner Künstlerin Renate Friedländer veranstaltet ihr das Kölnische Stadtmuseum eine repräsentative Ausstellung im Saal des Museums in der Zeughausstraße im Erdgeschoß. Daß die Jubiläumsausstellung nicht in Berlin stattfindet, wo die Künstlerin 1929 geboren wurde, sondern in Köln, überrascht. Infolge der Teilung Deutschlands und Berlins und des Trends nach dem Westen verlegten nicht nur die Galeristen ihren Sitz nach Westdeutschland.

Auch zahlreiche ostdeutsche und Berliner Künstler wurden in Westdeutschland seßhaft. Auch Renate Friedländer. So ist auch die Würdigung der Berlinerin durch das Museum der Geschichte der Stadt Köln zu verstehen.

Ihre Jugend verbrachte sie in ihrer Geburtsstadt und verließ diese in der Nazizeit, emigrierte nach England und studierte an der Kunstakademie zu Birmingham Malerei und Kunsterziehung. Zwischendurch besuchte sie die Universität zu Freiburg im Breisgau. Nach Beendigung ihrer Studien wurde sie museumspädagogische Mitarbeiterin im Außenreferat der Museen der Stadt Köln und war wissenschaftlich tätig. Unter anderem veröffentlichte sie die Kinderkataloge des Wallraf-Richartz-Museums und des Schnütgen-Museums. Für ihre eigene künstlerische Tätigkeit blieb ihr wenig Zeit, da sie auch als Betreuerin von Kindern im Vorschulalter bis zu Senioren eingesetzt war. Ihrer kunstpädagogischen sowie wissenschaftlichen Aktivität ist es mit zu verdanken, daß der Ruf Kölns weit über die Grenzen der Domstadt am Rhein ging.

Befreit von den museumspädagogischen Tätigkeiten in ihrem Ruhestand wendet sich Renate Friedländer in immer stärkerem Maße ihrem eigenen künstlerischen Schaffen zu, wovon auch die gegenwärtige Ausstellung im Kölnischen Stadtmuseum zeugt.

Ein Vierteljahrhundert nach dem Debüt der sogenannten abstrakten Kunst wurde Renate Friedländer geboren. Ihr Schaffen geht stets von der Natur aus, Landschaften inspirieren sie, und diese werden von ihr leicht abstrahiert. Bis zur völligen Gegenstandslosigkeit gelangt sie nie. Aus Wiesen, Feldern und Wegen werden waagerechte, einfarbige Streifen, sie bleiben jedoch Landschaften, werden nicht zu abstrakten Bildern. In Industrielandschaften spielt Geometrie eine wichtige Rolle, und bisweilen werden Rechtecke und Dreiecke eingesetzt.

In ihrer Kölner Ausstellung begeistern die ausdrucksstarken Porträts der Mutter der Künstlerin. Im expressionistischen Stil wurden die Porträts gestaltet und wirken, als würden sie sich von der Fläche lösen und im Raum auf den Betrachter zukommen. Ein fotonaturalistischer Stil wird ebenso gemieden wie gegenstandsfreie Darstellungen. Zwischen den beiden Polen befinden sich die Werke der Künstlerin, mannigfaltig nach Motiven und Stilarten variiert.

Zur Ausstellung erschien ein Katalog mit 128 Seiten in deutscher und englischer Sprache mit zahlreichen farbigen Abbildungen zum Preis von 10 Euro.

Günther Ott (KK)

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