Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1235.

Kunst, Können, Kennenlernen

Rußlanddeutsche Künstler stellen im Düsseldorfer Landtag aus

Einundzwanzig deutsche Künstler, die aus der ehemaligen Sowjetunion kommen und durch die Sowjets vertrieben oder verschleppt worden sind, haben ihre Werke im Haus des Landtags in Düsseldorf ausgestellt. Sie arbeiten in den Bereichen freie Malerei, Bildhauerei, Architektur, Bühnengestaltung, Restauration, Grafik-Design, Fotografie und Kunstlehrtätigkeit. Auch deshalb repräsentieren sie keinen homogenen Kunststil oder eine gemeinsame thematische Ausprägung: Sie reflektieren vor allem persönlich Erlebtes, Lebensorientierungen und Lebensphilosophien. Die älteren unter ihnen versuchen häufig grauenvolle Erinnerungen, traumatische Erlebnisse in traditioneller Stilistik zu verarbeiten, während die jüngeren nach formalem Aufbruch und geistigem Neuanfang suchen.

Manche Werke wurden bereits mehrmals im In- und Ausland ausgestellt. Viele davon befinden sich in privaten und städtischen Sammlungen. Die Künstler, die diese Ausstellung möglich gemacht haben, waren nach einer akademischen Ausbildung im künstlerischen Bereich tätig und trotz der Diskriminierung wegen ihrer deutschen Nationalität in der Sowjetunion wohlbekannt. Die Ausstellung zeigt vorwiegend Werke, die in den letzten Jahren entstanden sind.

So die von Nikolaus Rode, dem es wichtig ist, als Künstler und als Deutscher aus Rußland angesehen und akzeptiert zu werden. Sein Werk spiegelt bis in die Gegenwart hinein Kindeserlebnisse und Traumata wider, mit denen er all jene einbezieht, denen das gleiche Schicksal in den Kriegs- und den Nachkriegsjahren widerfahren ist. Seine Bilder sind Vision, Aufschrei und Appell zu einer neuen Menschlichkeit.

Für Jakob Wedel und Günther Hummel hat die Kunst noch immer die Bestimmung, die Menschheit zum Guten zu bewegen. Eine Reihe ihrer Werke ist eine Hymne an die Schönheit. Aber ihre Skulpturen „O, Gott – erbarme Dich!“ und „Der Ungebeugte“ sind ein klarer Aufruf: So etwas darf nie wieder vorkommen!

Paul Krenz ist ein renommierter Restaurator, der seine Ideen in der diffizilen und aufwendigen Technik der Intarsie umsetzt. Seine Meisterschaft ist einzigartig. Dabei gehören christliche Motive zu den Schwerpunkten seines Schaffens. Die Bilder der weiteren Künstler, die wie Paul Krenz zur Nachkriegsgeneration der Rußlanddeutschen gehören, sind weniger vom geschichtlichen Hintergrund der Volksgruppe als vielmehr von modernen Trends der Kunst geprägt.

Maria Tribus befaßt sich in ihren Werken vorwiegend mit der Plastizität und Anmut des menschlichen Körpers, dessen Gestaltung eher als impressionistisch zu bezeichnen ist. Diesen Motiven folgte in seinen letzten Arbeiten auch Viktor Lang, obwohl er mehr durch seine früheren lichtdurchwirkten landschaftsarchitektonischen Aquarelle bekannt ist. Mitreißend ist die Dynamik des Rennens in der „Pferdeserie“ von Robert Hettich.

Die wenigen Beispiele aus dem Schaffen einzelner Künstler zeigen natürlich nicht die ganze Palette ihres Wirkens. Aber dieser kleine Ausschnitt bringt dem Besucher den Gedanken näher, daß es unter den Rußlanddeutschen durchaus Talente zu entdecken gibt. Vielleicht weckt das auch den Wunsch, mehr über die Deutschen aus Rußland zu erfahren. Wenn mit solchen Gedanken recht viele Besucher den Landtag verlassen haben, dann ist das Ziel dieser Ausstellung erreicht. Die Deutschen aus Rußland wollen mit der Ausstellung ein neues Kapitel ihrer Geschichte in Nordrhein-Westfalen aufschlagen. Auch darum ist der Ausstellung eine breite Wirkung zu wünschen.

Ein Katalog der Ausstellung kann beim Bund der Vertriebenen (www.bdv-shop.de) für 10 Euro bestellt werden.

Markus Patzke (KK)

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