Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1292.

Künstlerische Wundversorgung für eine Stadt

Breslau 1948 in Graphiken von Jerzy Grabiánski

Bis zum 18. Juli 2010 zeigt die Stiftung Kulturwerk Schlesien in ihrem Schlesischen Kabinett im Grafschaftsmuseum Wertheim die Ausstellung „Breslau 1948 in Graphiken von Jerzy Grabiánski“.

Breslau 1948, drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa – das war eine Stadt weitgehend in Trümmern. Am 15. Februar 1945 war Breslau von sowjetischen Truppen eingekreist worden und wurde deutscherseits zur Festung erklärt. Die Stadt wurde nicht nur von den Angreifern bombardiert und beschossen, auch die Verteidiger zerstörten ganze Stadtteile, insbesondere im Süden der Stadt. Nach der Kapitulation am 6. Mai waren 70 Prozent der Häuser zerstört, lagen 16 Millionen Kubikmeter Schutt auf den Straßen.

Ende 1945 waren 30000 Polen in Breslau seßhaft geworden. Die verbliebene deutsche Bevölkerung flüchtete oder wurde vertrieben, Ende 1947 wohnten kaum noch Deutsche in der Stadt. Die Einwohnerzahl Breslaus lag 1948 bereits bei 250 000 Personen. Beim Wiederaufbau war die polnische Stadtverwaltung mit Neuerungen zurückhaltend, Vorrang hatte der Aufbau von Industrie und Wohnhäusern.

Dennoch hatte die Stadt ihren Charme, ihre Sehenswürdigkeiten großer und kleiner Art, ihre schönen Winkel – sichtbar jedenfalls für ein Künstlerauge. So erschien 1948 eine Künstlermappe mit 16 Ansichten von Bauwerken der Stadt. Sie hatte eine Auflage von 3500 Exemplaren und kam in einem Verlag in Bydgoszcz/Bromberg heraus. Die Tafeln sind in Polnisch, Russisch, Französisch und Englisch beschriftet und von drucktechnisch guter Qualität.

Über den Künstler Jerzy Grabiánski war nichts in Erfahrung zu bringen, doch bietet er dem Betrachter mit seinen Arbeiten einen Eindruck von den Sehenswürdigkeiten der Stadt drei Jahre nach Kriegsende, freilich auch mit deren Wunden. Daß man Schönes wieder wahrnahm, mag als Zeichen der Hoffnung, der Überwindung der Unmenschlichkeit des Krieges gedeutet werden.

(KK)

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