Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1363.

„Land des Segens“ – und des Transits

In Siebenbürgen fand immer schon statt, was heute in Europa brennt

„Alte Heimat, neue Heimat“ heißt der Bereich der Dauerausstellung des Siebenbürgischen Museums auf Schloss Horneck in Gundelsheim, der sich mit dem Heimatbegriff und der Migrationsgeschichte der Siebenbürger Sachsen nach 1945 auseinandersetzt. Bis zum 17. April 2016 wird der aktuelle Themenkomplex der Migration am Beispiel Siebenbürgens auch in der neuen Sonderausstellung unter dem Titel „… weil Leben wandern heißt. Siebenbürgische Migrationsgeschichte(n)“ aufgegriffen. Sie wird durch die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien gefördert.

Das Land im Karpatenbogen war schon in der Frühgeschichte ein Ort, an dem immer wieder Wanderungsbewegungen stattfanden. 106 n. Chr. eroberten die Römer das Gebiet. Während der Völkerwanderung herrschten Goten, Hunnen, Gepiden und Awaren. Slawische Stämme siedelten sich ab der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts an. Die Ausstellung startet mit dem Zeitpunkt, als das historische „Siebenbürgen“ infolge der Eingliederung des Landes in das ungarische Königreich und der Anwerbung deutscher Siedler im 12. Jahrhundert, der späteren Siebenbürger Sachsen, entstand.s12

Ein Schwerpunkt liegt in den Ein- und Auswanderungsbewegungen nach und aus Siebenbürgen vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Anhand symbolhafter Einzelobjekte wird deutlich, dass Migration keine Erfahrung der gegenwärtigen Gesellschaft ist, sondern aus unterschiedlichen Beweggründen zu allen Zeiten stattgefunden hat. Die wechselvolle Geschichte Siebenbürgens gilt als ein hervorragendes Beispiel.

Ein interessantes Kapitel sind die Einwanderungswellen von Badenern und Württembergern in der Mitte des 18. beziehungsweise 19. Jahrhunderts. Diese Menschen verließen größtenteils aus wirtschaftlicher Not ihre Heimat und ließen sich in Siebenbürgen nieder. Weitere Ausstellungsbereiche beschäftigen sich mit der „Auswanderung in die USA“ und mit der „Einwanderung der Hutterer“.

Die Ausstellungsveranstalter gehen davon aus, dass aus der historischen Dimension des Themas heraus die Besucher an einigen Stationen durchaus Bezüge zur aktuellen Migration nach und innerhalb Europas herstellen können. So gibt es neben den klassischen Präsentationen in einem zweiten Ausstellungssaal einen Mitmach-Bereich. Hier haben Interessierte die Möglichkeit, eigene Migrationsgeschichten in künstlerischer oder schriftlicher Form zu hinterlassen. Persönliche Migrationserfahrungen können auch durch ein Selbstporträt, eine Erzählung oder ein Gedicht mitgeteilt werden. All das führt dazu, dass die Ausstellung auf originelle Weise täglich mit neuen Aspekten des nach wie vor nachgerade schmerzlich aktuellen Themas erweitert und bereichert wird.

(KK)

«

»