Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1219.

Leistung aus Leiden

Die Arbeitsgemeinschaft Heimatstuben Nordrhein-Westfalen tagt zur Aufnahme der Vertriebenen im Westen Deutschlands

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Ostdeutscher Museen, Heimatstuben und Sammlungen aus Nordrhein-Westfalen hatten im März Gelegenheit, im Rahmen ihrer Frühjahrstagung die Ausstellung zum Thema „Aufbau West. Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder“ im historischen Werkstattgebäude des Westfälischen Industriemuseums Zeche Zollern II/IV in Dortmund zu besichtigen. Darüber hinaus bot Dr. Dagmar Kift, Oberkustodin im Westfälischen Industriemuseum und Leiterin des Projektes „Aufbau West“, in ihrem Vortrag „Konzept und Inhalt einer zeitgeschichtlichen Ausstellung“ eine Fülle von Hintergrundinformationen zur Entstehung und Gestaltung der umfangreichen Präsentation.

Die Tagungsteilnehmer, die zum Teil auch jener Generation angehörten, die Flucht und Vertreibung als Kinder und Jugendliche miterlebt hat, waren von der Schau sichtlich beeindruckt. Sie schätzten vor allem die Objektivität, mit der auf die Leistungen der Flüchtlinge hingewiesen wird, die aus den deutschen Ostgebieten in die westlichen Besatzungszonen kamen. Es wird deutlich, daß die Ostflüchtlinge als hochmotivierte und leistungsstarke Aufbauhelfer den Strukturwandel in der Bundesrepublik nach 1945 mitgestaltet haben und am Wirtschaftswunder maßgeblich beteiligt waren.

Im Mittelpunkt der rund 300 Exponate umfassenden Präsentation stehen die Lebensgeschichten von mehr als 30 Betroffenen. Am Rande dieser Biographien wird die Entwicklung verschiedener Industriezweige in Nordrhein-Westfalen veranschaulicht und der Beitrag der Arbeitskräfte aus dem Osten hervorgehoben. Die unmittelbare Zeit nach 1945 – ein wichtiges, aber bisher nur wenig beleuchtetes Stück deutscher Zeitgeschichte – wird hier wieder lebendig.

Auch der Vorstandsvorsitzende der AG Heimatstuben, Dr. Walter Engel, betonte, daß es den Ausstellungsveranstaltern gelungen sei, eine realitätsnahe Präsentation zu zeigen. Es seien Ansätze erkennbar, die von einem neuen Umgang mit den Themen Migration und Integration zeugen. Dr. Engel fügte hinzu: „Unsere seit 17 Jahren bestehende Gemeinschaft von ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuern ostdeutscher Heimatstuben hat sicherlich auch einen Beitrag dazu geleistet, daß heute die Geschichte der Vertriebenen und Flüchtlinge sowie des Wiederaufbaus verstärkt ins Bewußtsein der Öffentlichkeit gerückt wird.“

Die Ausstellung „Aufbau West“ wird – wie übrigens auch Dr. Susanne Peters-Schildgen, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Oberschlesischen Landesmuseums Ratingen, mitteilte – voraussichtlich im nächsten Jahr in Ratingen zu besichtigen sein. Die Gastreferentin sprach in ihrem Vortrag zum Thema „Grenzüberschreitende Aktivitäten des Oberschlesischen Landesmuseums“ über bedeutende Projekte ihrer Einrichtung.

Dieter Göllner (KK)

«

»