Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1263.

Liegnitzer „Ritterschlag“ für Wissenschaft und Kunst

In der dortigen Ritterakademie erhalten Hubert Unverricht, Anna Malicka-Zamorska und die Zeitschrift „die horen“ den Kulturpreis Schlesien

Der Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen, der abwechselnd in Schlesien und Niedersachsen verliehen wird, wurde für 2008 in der Ritterakademie im schlesischen Liegnitz/Legnica von Uwe Schünemann, Niedersachsens Minister für Inneres, Sport und Integration (CDU) , verliehen. Die mit jeweils 4000 Euro dotierten Preise gingen in diesem Jahr an den Musikwissenschaftler Hubert Unverricht und die Bildhauerin Anna Malicka-Zamorska. Mit einem Sonderpreis über 3000 Euro wurde die literarische Zeitschrift „die horen“ ausgezeichnet.

Professor Dr. Hubert Unverricht, der 1927 in Liegnitz geboren wurde, hat sich in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit in Forschung und Lehre vor allem der schlesischen und besonders der Liegnitzer Musiktradition angenommen. Unverrichts Arbeitsgebiete sind die Zeiten ab 1600, insbesondere das 18. und 19. Jahrhundert. Er wandte sich folgenden Themenbereichen zu: der Klassik, der Frühromantik, der Kammermusik, dem Urheberrecht in der Musik, der Musikeditionstechnik, aber auch der regionalen Musikgeschichte. Unverricht hat sich durch die Veröffentlichung des 4. Bandes der „Liegnitzer Lebensbilder des Stadt- und Landkreises“ besonders hervorgetan.

Anna Malicka-Zamorska, 1942 in Lubin-Wiel-ki geboren, arbeitet seit über 30 Jahren an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Breslau als Bildhauerin. Sie hat sich insbesondere bei der künstlerischen Verarbeitung der Materialien Porzellan und Steingut einen Namen gemacht. In ihrer internationalen Werkstatt „Porzellan mal anders“ in Waldenburg treffen sich Künstler aus verschiedenen Ländern an alten schlesischen Produktionsstätten. Die Werke von Anna Malicka-Zamorska sind in vielen Museen Polens zu sehen. Zusammen mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn, die auch Bildhauer sind, hat sie die zehn Bären entworfen, die den polnischen Pavillon bei der Expo 2000 in Hannover schmückten.
Johann P. Tammen nahm als Chefredakteur den Sonderpreis 2008 für die Redaktion der literarischen Zeitschrift „die horen“ entgegen. Die 1955 in Hannover gegründete Zeitschrift veröffentlicht regelmäßig Dichtkunst polnischer Autorinnen und Autoren. In diesem Kontext sind „die horen“ seit Jahren auch Plattform für Dichter und Autoren, die mit dem Kulturpreis Schlesien ausgezeichnet wurden. Die Zeitschrift baut seit Jahrzehnten eine kulturelle Brücke nach Schlesien.

Den Kulturpreis Schlesien stiftet die niedersächsische Landesregierung. Er wird seit 1977 jährlich verliehen und soll zur Verständigung und Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen beitragen. Der Preis war damals Ausdruck der Verbundenheit mit den Schlesiern, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Niedersachsen Aufnahme gefunden und wesentlich zum Aufbau des Landes beigetragen haben. Er sollte auch dazu beitragen, schlesisches Kulturgut  weiterzuentwickeln.

Seit 1991 hat sich die Niedersächsische Landesregierung, getragen von dem Gedanken der Verständigung und Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen, das geänderte Ziel gesetzt, mit der Verleihung des Kulturpreises Schlesien zur gemeinsamen Pflege und Weiterentwicklung des Kulturgutes Schlesiens und des Kulturschaffens der Schlesier beizutragen. Seitdem können auch polnische Künstlerinnen und Künstler, die in Schlesien wohnen, den Preis für hervorragende Leistungen auf dem Gebiete der Literatur, der bildenden Kunst und der Musik erhalten. Der Preis ist heute auch ein Beitrag zu Völkerverständigung, Aussöhnung und Frieden, er ist eine Brücke zwischen Deutschland und Polen.

Michael Ferber (KK)

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