Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1326.

Literatur und Kunst

Lebenslange Befreiung

Roland Altmann hat die Kriegsgefangenschaft künstlerisch umgemünzt

Der bekannte Dortmunder Künstler Roland Altmann, der seine russische Kriegsgefangenschaft erst recht zum Anlaß genommen hat, rege künstlerische Kontakte zu Rußland aufzubauen, verstarb im Alter von 87 Jahren.

Roland Altmann wurde am 28. Mai 1925 in Sprötau (Thüringen) geboren. Nach Militärdienst und Kriegsgefangenschaft von 1943 bis 1949 studierte er in Hannover Malerei und Grafik an der damaligen Werkkunstschule und gleichzeitig in Abendkursen Grafik-Design, um anschließend in einem qualifizierten „Brotberuf“ zu arbeiten und dadurch finanziell unabhängig und unangepaßt seine künstlerischen Ideen auszuleben. Seit 1955 lebte er in Dortmund. Die Dualität beider Arbeitsbereiche machte 1986 Dr. Gerhard Langemeyer, damaliger Direktor des Museums für Kunst und Kulturgeschichte und späterer Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, in einer viel beachteten Ausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte deutlich und sichtbar, die er kuratierte und in die er einführte. Roland Altmann war zudem Ehrenmitglied der „Dortmunder Gruppe“, der ältesten Künstlervereinigung der Nachkriegszeit in der Stadt Dortmund. Gleichzeitig war er viele Jahre im Vorstandsvorsitz des Bundesverbandes Bildender Künstler. Auf seine  Anregung entstand auch der jährlich erscheinende Kalender „Grafik aus Dortmund“.

Roland Altmann war Mitglied des Westdeutschen Autorenverbandes und wurde 1992 als Künstler und Schriftsteller in die Humboldt-Gesellschaft für Wissenschaft, Kunst und Bildung gewählt. Im Verlag der Humboldt-Gesellschaft erschien l996 sein Buch „Sinndeutende Annäherungen“, des weiteren erschienen Essays, Lyrik, Prosa und Monographien anderer Künstler. Roland Altmann war ein künstlerisch vielseitig begabter Mann. Schon während der russischen Kriegsgefangenschaft war er Mitbegründer der „Künstlerstube“ im Kriegsgefangenenlager Minsk/UdSSR. Er rieb sich Farben aus Ziegelsteinen, gestaltete damit die Wände mit Rötelzeichnungen und erstellte Porträts auf Zementsackpapier. In seinem Buch „In fensterloser Zeit“ schildert er in seiner klaren, bilderreichen Sprache die Geschehnisse jener Jahre.

l982 unternahm er auf Einladung der Akademie der Künste der UdSSR gemeinsam mit den Künstlern Heinz Georg Podehl und Alfred Schmidt eine Studienreise nach Moskau, Leningrad und Kiew. Seitdem bestand zwischen ihm und der Akademie der Künste der UdSSR in Moskau eine regelmäßige Korrespondenz und ein Austausch von Kunstliteratur.

Roland Altmann beherrschte das kompositorische Spiel mit dem Wort ebenso wie die Gesetze von Farbe und Form und benutzt beide Ebenen, um sich seiner Umwelt künstlerisch mitzuteilen. Seine bildnerische Formensprache ist der konkreten Kunst zuzuordnen. Alles wirkt kraftvoll und gespannt und vermittelt dennoch Ruhe.

Sein Ausspruch „Ohne Geheimnisse ist das Leben ein Armenhaus“ steht über seinem gesamten Lebenswerk. Er meinte die Geheimnisse des schöpferischen Tuns.

Ulla Dretzler (KK)

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