Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1328.

Literatur und Kunst

„Jeder nach seinem Talent“, sagte Max Liebermann, aber auch jede nach ihrem

„Frauen der Secession“ des Museusm Schlösschen zu Wertheim jetzt in der Berliner Liebermann-Villa

„Die Gründung der Secession war ein Zeichen jugendlich aufstrebenden Lebens“, sagte Max Liebermann 1908 zum zehnjährigen Bestehen der Künstlervereinigung, „sie fällt zeitlich mit dem immer siegreicher vordrängenden Impressionismus zusammen. Aber der Impressionismus ist nicht – wie man es täglich hören und lesen muss – eine Richtung, sondern eine Weltanschauung: Jeder kann in ihr nach seinem Talent selig werden.“

Zu den Gründungsmitgliedern der Berliner Secession gehörten neben Max Liebermann so bekannte Maler wie Ludwig Dettmann (ab 1900 Direktor der Königsberger Kunstakademie), der Bromberger Walter Leistikow und der Bildhauer Fritz Klimsch. Aufgrund ihrer Opposition gegen die starre akademische Ausbildung gilt die Secession als Synonym für die Moderne. Sie war die erste Künstlervereinigung, die auch Frauen aufnahm. Diese hatten es Anfang des 20. Jahrhunderts schwer, eine professionelle Ausbildung zu bekommen, und mussten daher privaten Malunterricht nehmen. Die meisten der Protagonistinnen sind heute längst vergessen, einzig Käthe Kollwitz ist ihren Weg gegangen.

Im Herbst vergangenen Jahres waren im Museum Schlösschen im Hofgarten zu Wertheim, das eine umfangreiche Sammlung von Gemälden der Berliner Secession besitzt, Werke der ersten weiblichen Mitglieder, unter anderem von Julie Wolfthorn, Dora Hitz, Sabine Lepsius und Ernestine Schultze-Naumburg, zu sehen. Nun wird eine Auswahl der in Wertheim ausgestellten Bilder in der Berliner Liebermann-Villa gezeigt. Unter dem Titel „Frauen der Secession“ werden bis zum 4. März Werke der beiden Mitgründerinnen Sabine Lepsius, deren Vater Gustav Graef aus Königsberg stammte, und der Fränkin Dora Hitz sowie der erst vor wenigen Jahren wiederentdeckten Clara Siewert und der bekanntesten, Käthe Kollwitz, präsentiert. Grund genug, die weniger bekannten Künstlerinnen kurz vorzustellen.

Clara Siewert, 1862 geboren auf Gut Buddern im westpreußischen Kreis Preußisch Stargard, wurde vor vier Jahren durch eine große Retrospektive vom Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg gewürdigt. Sie studierte wie Käthe Kollwitz unter anderem bei Karl Stauffer-Bern, nahm bald an vielen Ausstellungen teil und hatte Kontakt zu Lovis Corinth, Max Liebermann und Walter Leistikow. Ihre Arbeiten sind vor allem mit der Sichtweise des 19. Jahrhunderts verbunden und umfassen Selbstbildnisse, Kinder- und Aktdarstellungen sowie Bilder mit mystisch-religiösen Motiven. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es still um Clara Siewert, die zurückgezogen in ihrem Atelier lebte. Sie starb 1944 bei einem Bombenangriff in Berlin und hinterließ nur wenige Werke, da auch die meisten Bilder zerstört wurden. Und so ist es ein Glücksfall, dass die Regensburger nach intensiver Recherche noch einige Arbeiten fanden, welche die Künstlerin zu Lebzeiten verkauft hat.

Auch das Ende von Dora Hitz (1856–1924) war nicht ruhmreich. Die Malerin, die einst von der Königin Elisabeth von Rumänien Aufträge erhielt und 1906 mit dem Villa- Romana-Preis geehrt wurde, starb verarmt und deprimiert in Berlin. Am 7. Dezember 1924 notierte ihre Freundin Käthe Kollwitz in ihrem Tagebuch: „Die Dora Hitz ist gestorben. Ganz einsam. 71jährig. Als ich letztes Mal bei ihr war, bat sie mich, wenn sie stürbe, an ihrem Sarg zu sprechen. Ich sagte ja. Aber jetzt hätte ich es doch gern zurückgezogen. Außerdem war ich fiebrig. Ich schrieb dann nur etwas auf und Wolfthorn hat es am Sarge verlesen.“

Ein Katalog zur Ausstellung in der Liebermann- Villa am Wannsee ist im Verlag Boyens erschienen.

Silke Osman (KK)

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