Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1302.

Literatur und Kunst

Geistige Nestwärme auf böhmisch

Kulturelle Förderpreise der Sudetendeutschen Stiftung

Im Sudetendeutschen Haus in München sind bei einer Festveranstaltung die diesjährigen SL-Förderpreise verliehen worden. Der Bundeskulturreferent der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Reinfried Vogler, überreichte die Auszeichnungen. Diesmal waren auch zwei Nachwuchstalente aus der Tschechischen Republik und eine Französin unter den Empfängern der Förderpreise, die es schon seit 1979 gibt. Die Preisträger sollen nicht älter als 35 Jahre sein und entweder aus der sudetendeutschen Volksgruppe stammen oder einen bedeutenden Beitrag für sie geleistet haben. Dafür werden sie mit dem von der Sudetendeutschen Stiftung mit 1000 Euro dotierten Preis unterstützt und angespornt.

Den Förderpreis für Darstellende und Ausübende Kunst erhielt in diesem Jahr der Fagottist Christian Kunert, der väterlicherseits aus Sudetenschlesien und mütterlicherseits aus Böhmen stammt und 1983 in Esslingen zur Welt kam. Den Preis für Musik erhielt der Blasmusiker Magnus Barthle. Er wurde 1980 in Schwäbisch Gmünd als Sohn einer Egerländerin geboren. Mit dem Preis für Bildende Kunst und Architektur wurde der Künstler Radek Falb aus Schlaggenwald (Horni Slavkov) ausgezeichnet, der 1979 in Falkenau im Egerland zur Welt kam und deutsche Vorfahren hat. Den Publizistikpreis erhielt die Germanistin Dita Zeraková, die 1977 in Reichenberg (Liberec) geboren wurde. Den Wissenschaftspreis bekam die fran-zösische Historikerin Ségolène Plyer, die 1972 in Créteil bei Paris geboren wurde. Den Preis für Volkstumspflege erhielt die Blasmusikgruppe „Egerländer Rebellen“ aus Baden-Württemberg.

Ihr Können zeigten die Preisträger auch gleich: Bei der Preisverleihung begeisterten besonders die Musiker mit ihren Auftritten: Die „Egerländer Rebellen“ spielten mehrere Stücke aus ihrer aktuellen CD mit dem wunderbar passenden Titel „Empörend gut!“.

Solist am Alphorn war der Musikpreisträger Markus Barthle. Das Blasorchester aus Südwestdeutschland wurde erst 2007 vom Schlagzeuger Markus Maier gegründet, dem neben der Volksmusik auch Jazz am Herzen liegt. Weitere musikalische Highlights bot der Preisträger für Darstellende und Ausübende Kunst, der Musikprofessor Christian Kunert. Er intonierte am Fagott zwei Stücke des böhmischen Komponisten Johann Wenzel Kalliwoda. Der Kunstpreisträger Radek Falb, der sich von der Kunst der Maya und Altpersiens inspirieren läßt, sprach über seine abstrakten Skulpturen. Über ihre Dissertation „Die Sudetendeutschen und Deutschland: Wandlungen der Gruppenidentität“ referierte die Universitätsdozentin Ségolène Plyer, die dafür in Braunau/Broumov Feldstudien betrieben und dort heute noch lebende Deutsche interviewt hat. Die junge Tschechin Dita Zeraková, die teilweise als Übersetzerin ihr Brot verdient, las ein Kapitel aus ihrer Magisterarbeit über diverse deutschsprachige Zeitungen im nordböhmischen Reichenberg in den Jahren 1918–1938.

Alle Preisträger wurden von den Gästen der Veranstaltung im Sudetendeutschen Haus für ihre beachtlichen Leistungen mit reichem Applaus bedacht, und besonders die „Egerländer Rebellen” mußten noch einige musikalische Zugaben liefern.

Susanne Habel (KK)
 

«

»