Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1336.

Literatur und Kunst

Sich um die Zukunft kümmern

Das tun polnische und deutsche Schülerinnen in Kreisau gemeinsam auf Englisch und in der Sprache der Kunst

Sich-um-dieVon den zahlreichen Jugendprogrammen, die über die Stiftung Kreisau/Krzyzowa für Europäische Begegnung in der dortigen Tagungsstätte stattfinden, hat „Caring for our Future – together“ als internationales deutsch-polnisches Seminar in englischer Sprache seit 2008 jährlich bis zu 20 Schülerinnen zwischen 16 und 20 Jahren zu einem intensiven Gedankenaustausch zusammengeführt. Gesponsert wird diese Begegnung von Soroptimist International (SI) Danzig/Gdansk und SI Potsdam, die als Freundschaftsverband wertvolle Zeichen setzen. Ziel des Seminars mit jeweils wechselnden Workshops ist es, in das hohe Gedankengut des gewaltlosen Widerstands gegen Diktatur, wie es vom Kreisauer Kreis gelebt – und durchlitten – wurde, einzutauchen.

Neben Helmuth James von Moltke und seiner Gemahlin Freya wurde der Kreisauer Kreis von Persönlichkeiten wie Peter und Marion Yorck, Theodor Steltzer, Adam von Trott, Theo Haubach und Carlo Mierendorff, Adolf Reichwein, Alfred Delp SJ und Harald Poelchau getragen. Deren aktuelles Anliegen wird durch die Stiftung Kreisau mit ihrer vielschichtigen Öffentlichkeitsarbeit nachhaltig vergegenwärtigt. Das im landschaftlich reizvollen Niederschlesien gelegene verträumte Kreisau, wo nach dem Mauerfall 1989 ein Versöhnungsgottesdienst als starkes Symbol von seiten der polnischen und der deutschen Regierung stattfand, sendet auf hohem Niveau seine Botschaft für Menschenrechte und Menschenwürde aus.

Da ist zum einen im Schloss die Dauerausstellung „In der Wahrheit leben. Aus der Geschichte von Widerstand und Opposition in den Diktaturen des 20. Jahrhunderts“. Zum anderen werden im Berghaus, wo die Familie von Moltke lebte und sich die Freunde des Kreises trafen, Führungen veranstaltet.

Die privaten Fotos und die Bibliothek laden zur Auseinandersetzung mit der Geschichte ein. Hier fand für die deutsch-polnische Gruppe von 14 Schülerinnen ein Abend der Stille und des besonderen Berührtseins statt: Bei Kerzenlicht lasen Teilnehmerinnen beider Nationen abwechselnd in Polnisch und Deutsch aus den Briefen vor, die Helmuth James und Freya von Moltke einander unter schwierigsten Umständen zukommen ließen, als Helmuth James in Berlin-Tegel inhaftiert war.

Wir saßen anschliessend lange im Gespräch miteinander, bewegt von dem hohen Verantwortungsbewusstsein, der Glaubenstiefe, der Liebe, die diese beiden Menschen auszeichnete und verband. Auch der Film „Freya von Moltke zu Besuch in Kreisau“, 2007, führte den jungen Menschen die Klarheit und das Herzensengagement der alten Dame vor Augen.

Neben Ausflügen nach Breslau und zur Friedenskirche in Schweidnitz, war der mir übertragene Kunst-Workshop „Leben und Kreativität sind eins“ die zentrale Veranstaltung. Ich war beeindruckt von dem grossen Interesse meiner Schülerinnen, ihre inspirierten Gedanken und Gefühle in eigene Bilder umzusetzen, von ihrem Ideenreichtum und zeichnerischen Können. „Kunst ist der Spiegel der Wahrnehmung“, mit dieser Aussage – als Aufforderung verstanden – gingen sie den Themen Frieden, Offenheit, transkulturelle Zusammenarbeit und Liebe für alles, was ist, nach und entwarfen schließlich Plakate zu diesen Inhalten. Die Ästhetik der entstandenen Arbeiten machte deutlich, dass diese jungen Menschen mit Hingabe ans Werk gingen, die Entwürfe spiegelten ihren Wunsch, im gemeinsamen ethischen Handeln positive Veränderungen in der Welt zu bewirken.

Die Präsentation aller entstandenen Kohle-, Tusche/Aquarell- und Pastellzeichnungen am Ende des zweiten Arbeitstages wies auf das grosse Engagement hin: viele Ideen verdienten es, veröffentlicht zu werden. Zu erwähnen ist ebenfalls, wie erfreulich sich die Verbundenheit zwischen den Mädchen der beiden Länder in einer knappen Woche entwickelte und alle erfasste.

Es ist den Danziger Soroptimistinnen zu danken, dass sie vor sechs Jahren Kreisau als Ort der Inspiration für dieses Seminar gewählt haben. Renata Grycz, die Seminarleiterin vor Ort, hat in hervorragender Weise und mit offenem Herzen die Weichen gestellt und den Teamgeist unermüdlich gefördert. Marie-Luise Salden

(KK)

«

»