Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1336.

Literatur und Kunst

Der überragende Rand

Prag war für die deutsche Literatur ein Glücksfall, übrig sind nur Texte und Trauer, ein beredter Zeuge war Max Brod

Der-überragendeMax Brod war neben Franz Kafka und Franz Werfel der bekannteste Autor in dem „Prager Kreis“. Das war in den Jahren 1910 bis 1938 eine Gruppe von deutschjüdischen Schriftstellern, zu der auch der Literaturkritiker Willy Haas, der schreibende Arzt Ernst Weiß und Johannes Urzidil, der Autor des hochgerühmten Buches „Goethe in Böhmen“, gehörten. Mit der Okkupation der Tschechoslowakei durch deutsche Truppen 1939 wurde der „Prager Kreis“ zerstört, seine Mitglieder gingen ins Exil, die Geschichte dieser literarischen Vereinigung hat Max Brod in seinem Buch „Der Prager Kreis“ aufgezeichnet.

Max Brod und der Philosoph Felix Weltsch emigrierten nach Jerusalem, Franz Werfel verstarb in Kalifornien, Ludwig Winder in London. Paul Kornfeld wurde im Oktober 1942 in Prag verhaftet und in Polen umgebracht. Ernst Weiß ging 1921 nach Berlin und kehrte 1933 nach Prag zurück, um seine sterbende Mutter zu pflegen, 1934 emigrierte er nach Paris, wo er beim Einmarsch der deutschen Truppen 1940 Gift nahm und sich die Pulsadern aufschnitt. Anna Seghers, die selbst 1933/40 als Emigrantin in Paris lebte, hat sein Schicksal in ihrem Roman „Transit“ verarbeitet.

Max Brod, als Sohn eines Bankbeamten am 27. Mai 1884 in Prag geboren, nahm nach dem Abitur am Stefansgymnasium an der Karls-Universität ein Studium der Rechtswissenschaft auf, das er 1907 mit der Promotion beendete. Mit Franz Kafka, den er seit 1902 kannte, verband ihn bis zu dessen frühem Tod 1924 eine enge Freundschaft. Er war nicht nur der Entdecker und Förderer Franz Werfels, sondern schrieb auch fünf Libretti in deutscher Sprache für den mährischen Komponisten Leos

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