Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1302.

Literatur und Kunst

Der Tod, furchtbar lebendig

Melchior Grossek im Oberschlesischen Landesmuseum Ratingen

Neben seiner Tätigkeit als Priester war Grossek immer auch künstlerisch aktiv. Sein Schaffen war insbesondere von persönlichen Kriegserlebnissen und vom christlichen Bekenntnis geprägt. Es sind vor allem die expressionistischen Mittel, die ihm halfen, bestimmte Gefühle und Regungen wiederzugeben. In einigen seiner künstlerischen Werke sind allerdings auch Einflüsse von Albrecht Dürer und Peter von Cornelius zu erkennen. In anderen wiederum waren es Max Klinger und Wilhelm Busch, die den Künstler inspirierten.

Geboren wurde Melchior Grossek im Jahre 1889 in Bralin im ehemaligen Kreis Groß-Wartenberg (heute Woiwodschaft Großpolen). Nach dem Abitur in Breslau begann er sein Studium der Theologie an der Universität Breslau und machte gleichzeitig eine künstlerische Ausbildung an der dortigen Kunstakademie. Es folgte die Priesterweihe und die Tätigkeit als Kaplan an der Herz-Jesu-Kirche und der St.-Hedwig-Kirche in Berlin. Ergänzende künstlerische Ausbildung genoß Grossek in München, Aachen und Bonn. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er Diözesan-Präses der Katholischen Arbeiterbewegung. 1963 feierte er sein goldenes Priesterjubiläum. Grossek starb 1967 in Berlin.

In einer Sonderausstellung im Oberschlesischen Landesmuseum von Ratingen-Hösel ist eine repräsentative Auswahl von Grosseks künstlerischen Werken zu sehen. Die Schau „Scherenschnitte und Druckgraphik“ ist bis zum 16. Januar 2011 zu besichtigen.

Zu den Höhepunkten zählt die 1923 veröffentlichte Scherenschnittreihe „Gestalten des Todes. Ein Totentanz des Weltkrieges“. Der Künstler ließ sich hier sowohl von modernen als auch von mittelalterlichen Darstellungen inspirieren, wie etwa dem bekannten Lübecker Totentanz. Die aus 15 Blättern bestehende Serie widmete der Künstler seinen beiden Brüdern, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren. Im Mittelpunkt steht der erfindungsreiche und gierige „Knochenmann“, der das Geschehen auf den Kriegsschauplätzen der Welt bestimmt. Der Betrachter soll an die eigene Sterblichkeit erinnert und ermahnt werden, die christlichen Gebote und seine sozialen Pflichten zu erfüllen – zur Erlangung des ewigen Lebens. Der Totentanz-Zyklus war als Protest und zugleich Klage gegen das Böse und vor allem den Krieg gedacht.

In der Ausstellung sind auch die bisweilen idyllisch gestalteten Scherenschnitte aus der 33 Szenen umfassenden Mappe „Das Leben“ zu sehen. Die ebenfalls im Jahre 1923 erschienenen Arbeiten unterscheiden sich sowohl formal als auch inhaltlich deutlich von jenen des Totentanzes, weisen aber das gleiche hohe Maß an Kreativität und künstlerischer Qualität auf. Interessant für die Besucher sind sicherlich auch die Vorstudien, Skizzen und Variationen zu den Scherenschnittreihen.

Die Grossek-Präsentation in Ratingen-Hösel wird durch Linol- und Holzschnitte sowie Landschaftsaquarelle abgerundet. Hier dominieren eher christliche Motive. Die Aquarelle mit den Allgäuer Alpen oder mit Stränden Südosteuropas scheinen vornehmlich als Reiseerinnerungen angelegt worden zu sein. Einige seiner Skizzen kolorierte Grossek teilweise mit Aquarellfarbe, was einen interessanten Effekt ergibt.

D. G. (KK)
 

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