Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1350.

Literatur und Kunst

Zeitgeschichte, plastisch

„Berlin“-Gemälde von Heinrich J. Jarczyk im Haus Schlesien

ZeitgeschichteIn den letzten 25 Jahren ist das Gemälde von Heinrich J. Jarczyk mit dem Titel „Berlin: 9. November 1989“ in Washington, New York, München, Köln und an anderen Orten gezeigt worden. Bis zum 30. November ist es im Haus Schlesien von Königswinter-Heisterbacherrott zu sehen. Anlässlich des 25. Jahrestages der Maueröffnung erklärte der 1925 in Neisse/Schlesien geborene und in Köln lebende Maler seine 1990 entstandene visuelle Interpretation dieses Moments und der anschließenden Zerstörung des Teilungssymbols.

Gleich nach der Maueröffnung war Heinrich Jarczyk vor Ort und konnte die unbeschreibliche Atmosphäre miterleben. Er weiß noch, dass „Wahnsinn“ das Wort war, das damals in aller Munde lag. Die Eindrücke und Erlebnisse waren so tief, dass es für den Künstler feststand, er musste diese in einem Bild einfangen. Am Brandenburger Tor begann Heinrich Jarczyk Skizzen anzufertigen. Diese sind übrigens zusammen mit dem Ölgemälde in der Ausstellung „Durchbruch zur Freiheit“ im Haus Schlesien zu sehen. Gezeigt wird auch die Radierung zum Grenzübergang Bornholmer Straße, die er bereits im November 1987 nach einem Besuch in Berlin schuf.

Aus der bewegten und bewegenden Auseinandersetzung mit den historischen Ereignissen, die zur Teilung Deutschlands, dem Bau der Mauer und ihrer Öffnung geführt haben, entstand ein Gemälde, in dem nicht nur fast 50 Jahre deutscher Geschichte zusammengefasst sind, sondern in dem der Künstler seinen Gefühlen auf lebendige Weise Ausdruck verliehen hat. Die Idee, die dem Ölgemälde zugrunde liegt, ist – so der Künstler bei der Vernissage – eine S-Kurve, die für „Sozialismus“ steht. Das Bild zeigt demnach nicht nur die Öffnung der Mauer vor dem Brandenburger Tor, sondern schlaglichtartig auch den Verlauf der Geschichte: die Diktatur des Nationalsozialismus mit seinen unvorstellbaren Grausamkeiten, die verheerenden Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg und die Niederlage, aus der heraus die Teilung Deutschlands folgte. Im Hintergrund ist, farblich durch die militärisch feldgrauen und braun-roten dunklen Töne geprägt, die verlorene Heimat in Schlesien zu erkennen.

Im oberen Teil des Bildes ist das Brandenburger Tor im Moment der Maueröffnung zu sehen. Der Übergang der Menschen in die leere Helle wirft Fragen auf, die sich auf die Zukunft beziehen. In der Mitte des Bildes ist ein menschliches Gehirn zu entdecken, das einerseits von historischen Ereignissen geprägt ist und andererseits in die ungewisse Zukunft hineinragt.

(KK)

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