Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1354.

Literatur und Kunst

Schmelz zum Dahinschmelzen

Die Schmidt-Steins frönen ihrer Sammelleidenschaft im Haus Schlesien

Schmelz-zum1Ob gezackt, gestuft oder gebogt, die Exponate in der neuen Sonderausstellung im Haus Schlesien sind allesamt faszinierend und beeindrucken durch die Kreativität der Gestalter. Und das gilt nicht nur für leidenschaftliche Sammler, sondern auch für Besucher, die an der schlesischen Porzellanherstellung und am Art déco interessiert sind.

Haus Schlesien in Königswinter-Heisterbacherrott eröffnete Mitte März d. J. im Beisein des Sammlerehepaares Margret und Gerhard Schmidt-Stein sowie zahlreicher Gäste die Ausstellung „Als das Moderne modern wurde“. Den Einführungsvortrag hielt der Kenner und Sammler selbst, das musikalische Rahmenprogramm mit schwungvollen „Evergreens“ aus den 1920er Jahren bot das Salon-Ensemble Beda. Das Dokumentations- und Informationszentrum für schlesische Landeskunde setzt mit dieser Schau die 2014 initiierte Präsentationsreihe „Von der Erinnerung geprägt“ fort, die Sammlern und der Geschichte ihrer Kollektionen gewidmet ist.

Margret und Gerhard Schmidt-Stein aus Wuppertal sind in den Kreisen schlesischer Porzellansammler bestens bekannt. Sie haben bisher mit ihren Schätzen themenspezifische Ausstellungen sowohl im Haus Schlesien als auch im Schlesischen Museum zu Görlitz und im Oberschlesischen Landesmuseum Ratingen bereichert. Sie hatten auch Gelegenheit, herausragende Stücke ihrer Sammlung in Breslau und Troppau zu zeigen. Nachdem über viele Jahre hinweg in Zusammenarbeit mit Schmidt-Stein und anderen Sammlern schlesische Porzellanmanufakturen in Königswinter mehrfach beleuchtet wurden, rücken jetzt Exponate der Art déco-Stilrichtung in den Mittelpunkt.

Bei Wikipedia ist nachzulesen, dass der Begriff Art déco (kurz für das französische art décoratif, „dekorative Kunst“) eine Bewegung in der Designgeschichte von etwa 1920 bis 1940 bezeichnet, die die Formgebung von Gegenständen in allen Lebensbereichen umfasste. Die Stilrichtung ist durch eine gestalterische Verbindung von Eleganz der Form, Kostbarkeit der Materialien, Stärke der Farben und Sinnlichkeit der Thematik geprägt. Wie auch in Königswinter erkennbar, sind für Art déco die stilisierten und flächigen Darstellungen floraler und organischer Motive sowie geometrischer Formen charakteristisch. Nicht zu übersehen sind dabei die Dekore, bei denen starke, reine Farben miteinander kontrastieren. Die typischen Ornamente setzen sich aus Bögen, Stufen, Winkeln und gezackten Linien zusammen, die durch stilisierte Pflanzenmotive oder figürliche Elemente aufgelockert werden.

Übrigens: Die „Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes“ 1925 in Paris verhalf dem neuen Stil zum Durchbruch. Der Titel der Ausstellung wurde später in seiner Abkürzung synonym für die Bewegung verwendet. Erst im Jahre 1966 wurde der Name Art déco geprägt und insbesondere im Kunst- und Antiquitätenhandel für den Stil übernommen, der sich gegenüber den vorhergehenden Richtungen, vor allem dem Jugendstil, absetzte.

Schmelz-zum2Die beiden Sammler haben über Jahrzehnte hinweg eine umfangreiche Kollektion an schlesischem Porzellan zusammengetragen. Sie ließen es sich auch diesmal nicht nehmen, die Auswahl der Exponate für die Ausstellung in Königswinter selbst zu treffen, sich um die Beschriftungen ihrer Schmuckstücke zu kümmern und sie in den Vitrinen zu plazieren. Bei einer Vorabbesichtigung erzählten Margret und Gerhard Schmidt-Stein, wie ihre Sammelleidenschaft begann und was sie mit der öffentlichen Präsentation ihrer Schätze bezwecken. Ihr Anliegen ist, bei den Museumsbesuchern das Interesse und die Freude am schlesischen Porzellan zu wecken und zugleich den beachtlichen Beitrag Schlesiens zur Geschichte der deutschen Porzellanindustrie aufzuzeigen.

Die gebürtige Rheinländerin und der gebürtige Schlesier hatten eigentlich keine Berührungspunkte mit schlesischem Porzellan, bis eines Tages ihr Interesse durch ein Erbstück geweckt wurde. Sie beließen es jedoch nicht beim Sammeln, sondern stellten eingehende Nachforschungen zu Herkunft und Überlieferung an. So sind auch in der aktuellen Sonderausstellung im Haus Schlesien viele Exponate aus dem Besitz des Sammlerpaares nicht nur mit Hinweisen zur Herkunft und Datierung versehen, sondern auch durch frühere Werbeanzeigen der jeweiligen Hersteller ergänzt. Beispiele dafür sind die Vasen aus dem Hause Reinhold Schlegelmilch, Tillowitz, sowie die Porzellane der Serie Koralle und der Serie Kristall aus der C. Krister Porzellanmanufaktur, Waldenburg. Das außergewöhnliche, moderne Design ist u. a. bei Erzeugnissen der Porzellanfabrik in Königszelt sowie der Firmen K. Steinmann und C. H. Tuppack in Tiefenfurt zu entdecken.

Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählen Exponate wie die Dose und die Konfektschale aus der Porzellanfabrik Reinhold Schlegelmilch, Tillowitz um 1925–1930, sowie das „gezackte“ Kaffee- und Teeservice aus der Striegauer Porzellanfabrik, Stanowitz 1924–1932/33.

Die Porzellanschau ist im Haus Schlesien bis zum 7. Juni 2015 zu besichtigen.

Dieter Göllner (KK)

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