Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1354.

Literatur und Kunst

Es gilt, sich eine Stadt zu erschreiben

Wolftraud de Concini ist Stadtschreiberin der Deutschen Kulturforums östliches Europa 2015 in Pilsen

Es-gilt,-sich-eine-StadtEine vom Deutschen Kulturforum östliches Europa berufene Jury, der auch eine Vertreterin der Kulturhauptstadtgesellschaft Pilsen/Plzen 2015 sowie die tschechische Schriftstellerin Radka Denemarková angehörten, entschied sich für Wolftraud de Concini als Stadtschreiberin in Pilsen 2015. Sie setzte sich gegen 50 weitere Bewerberinnen und Bewerber durch.

Das Stadtschreiber-Stipendium des Deutschen Kulturforums östliches Europa wird im Jahr 2015 zum siebten Mal vergeben. Es soll das gemeinsame kulturelle Erbe der Deutschen und ihrer Nachbarn in jenen Regionen Mittel- und Osteuropas, in denen Deutsche gelebt haben und heute noch leben, in der Öffentlichkeit bekannt machen. Fördern soll es außergewöhnliches Engagement für gegenseitiges Verständnis und interkulturellen Dialog. Vergeben wurde das Wanderstipendium bisher für Danzig/Gdansk (2009), Fünfkirchen/Pécs (2010), Reval/Tallinn (2011), Marburg an der Drau/Maribor (2012), Kaschau/Košice (2013) und Riga/Rega (2014). Das Stipendium Stadtschreiber Pilsen/Plzen 2015 wird von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) dotiert und vom Deutschen Kulturforum östliches Europa in Zusammenarbeit mit dem Programm Open A.i.R. – Artist in Residence der Kulturhauptstadtgesellschaft Plzen 2015 durchgeführt.

Wolftraud de Concini wurde 1940 in Trautenau/Trutnov im nordöstlichen Böhmen geboren und von dort 1945 mit ihrer Familie zwangsausgesiedelt. Sie studierte Philosophie, Kunstgeschichte, vergleichende Literaturwissenschaft, Romanistik und Volkskunde in München und Innsbruck. Seit 1964 lebt sie in Italien und ist als Publizistin und Fotografin tätig. Neben zahlreichen Reiseführern zu italienischen Regionen verwirklichte sie Publikationen und Ausstellungen über Sprachminderheiten wie Deutsche, Sinti und Roma sowie 2013 ihr Reise- und Erinnerungsbuch „Böhmen hin und zurück“.

Die Autorin wird ihren fünfmonatigen Aufenthalt in Pilsen Anfang April antreten. Während dieser Zeit führt sie ein Internettagebuch, in dem sie über ihre Begegnungen und Beobachtungen berichtet. Wolftraud de Concini verfasst ihren Blog auf Deutsch und auf Italienisch, zudem wird es eine Übersetzung ins Tschechische geben. Über den Blog kann man mit der Autorin auch in Kontakt treten.

Wolftraud de Concini möchte sich in Pilsen mit der Geschichte und Gegenwart der Minderheiten – Deutsche, Juden und Roma – beschäftigen. Auch verlassene und verschwundene ehemals deutsche Dörfer in der Umgebung von Pilsen sollen Thema ihrer Texte und Fotografien sowie von Schulexkursionen werden. Weitere geplante Schwerpunkte ihrer publizistischen Arbeit sind die rekonstruierten Innenräume von Adolf Loos und das Pilsener Theaterleben. Vermittelt werden sollen diese Inhalte über Zeitungsartikel, Ausstellungen und einen Fernsehfilm.

(KK)

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