Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1354.

Literatur und Kunst

Sein Schwarzweiß spielt alle Farben

Dieses Spiel bietet das Kunstforum Ostdeutsche Galerie mit einer Ausstellung des Lovis-Corinth-Preisträgers Stefan Moses

Sein-SchwarzweissDem Träger des Lovis-Corinth-Preises 2014, dem aus Liegnitz/Legnica in Niederschlesien stammenden Stefan Moses (geboren 1928) ist die bis zum 31. Mai im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg laufende Ausstellung mit 222 Fotografien gewidmet. Vor allem der Langzeitzyklus über die Deutschen, aber auch Bilder von „Deutschlands Emigranten“ sowie die Reihe „Masken. Die Metamorphosen der Künstler“ machen die keineswegs alltägliche Schau aus. Am 28. Februar nahm stellvertretend die Frau des Künstlers den Lovis-Corinth-Preis entgegen.

Seit 1974 wird im zweijährigen Turnus der Lovis-Corinth-Preis verliehen, damals initiiert von der Künstlergilde Esslingen, die zu den Mitbegründern der Ostdeutschen Galerie gehört. So ist es das 40jährige Jubiläum dieses Preises, der mit 10 000 Euro dotiert ist und mit einer Ausstellung des ausgezeichneten Künstler einhergeht. Einstimmig votierte die Jury für den Vorschlag der damaligen Leiterin der Grafischen Sammlung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Dr. Agnes Matthias, die auch bei der Pressekonferenz über den Künstler Auskunft gab. Der aktuelle Preisträger ist übrigens erst der dritte Fotograf, der diese Auszeichnung erhält. In der Ausstellung wird „das Lebenswerk eines der wichtigsten Fotografen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ gezeigt, so Agnes Matthias.

Wegen seiner jüdischen Herkunft muss Stefan Moses im Jahr 1943 das Gymnasium verlassen und beginnt im Breslauer Fotogeschäft Bittner eine Ausbildung als Fotograf. Ein Jahr später erfolgt sogar die Internierung im Zwangsarbeitslager Ostlinde, aus dem nach Grünberg verlegten Lager gelingt ihm dann aber die Flucht nach Erfurt. Mit der Gesellenprüfung im Jahr 1947 beginnt die Karriere Moses’, er wird in Weimar der damals jüngste Theaterfotograf.

Im Jahr 1950 entschließt er sich zur Umsiedlung in den Westen nach München, wo er – so Matthias – zum „wichtigsten Protagonisten der Kultur und des Künstlerlebens“ aufsteigt. Moses entwickelt die bereits früher entstandene Bildform des Erzählens weiter und arbeitet für namhafte Magazine und Illustrierte (Stern, Spiegel, magnum usw.). Auch wenn er viel unterwegs ist, als eigentliches Thema seiner Fotos kristallisiert sich „Deutschland und die Deutschen“ heraus.

Sein-Schwarzweiss2Ende der 60er Jahre entscheidet er sich für eine freiberufliche Tätigkeit und entwickelt eine neue Form der Fotografie: große fotografische Porträtzyklen. Nicht mehr die statische Pose der Person steht im Vordergrund, sondern deren Verhalten in einer bestimmten Umgebung. Bis in unser Jahrhundert hinein bleibt Moses diesem Stil treu. Die deutsche Wiedervereinigung 1989/90 veranlasst ihn, seinen Bilderzyklus „Was ist der/das Deutsche“ auch in den neuen Bundesländern zu realisieren. Wobei es ihm bei dieser Reihe gleichermaßen um bekannte Personen wie um Leute mit ganz unterschiedlichen Berufen und Tätigkeiten geht.

Aus einem Zeitraum von über fünf Jahrzehnten stammt auch der Zyklus „Deutschlands Emigranten“ von Theodor W. Adorno bis Peter Zadek, der fast wie ein Lexikon zu diesem Thema wirkt und interessante Lebensgeschichten erzählt.

(Nachdem er die Verfolgung durch die Nationalsozialisten überlebt hatte, überlegte Moses übrigens auch, auszuwandern.) Premiere im Kunstforum Ostdeutsche Galerie hat der Zyklus „Masken. Metamorphosen der Künstler“, bei der sich bildende Künstler (u. a. Otto Dix) hinter von ihnen selbst gefertigten Masken verstecken. Stefan Moses kann auch als Pionier der heutigen Fotobücher betrachtet werden, wobei für ihn ein Foto nichts Festes ist. „Es darf geschnitten, gedreht und gespiegelt werden“, drückte Agnes Matthias diese Sichtweise des Preisträgers aus.

Moses’ veröffentlichte Fotos sind ausschließlich schwarz-weiß und analog. Ab 1970 widmet er sich den Fotoplastiken, d. h. Collagen und Montagen eigener Fotografien. Aus dem Jahr 2003 stammen seine letzten Bilder, seither widmet er sich der Arbeit mit seinem eigenen umfangreichen Bildarchiv.

Die Ausstellung ist bis zum 31. Mai im Kunstforum Ostdeutsche Galerie zu besichtigen. Natürlich gibt es dazu einen 160seitigen Ausstellungskatalog (21 Euro) und zahlreiche Begleitveranstaltungen.

Markus Bauer (KK)

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