Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1354.

Literatur und Kunst

Kunst als Heimatsuche

Aber auch dort hat er sie nicht gefunden, der ruhelose siebenbürgische europäische Maler Michael Barner

Kunst-als-HeimatsucheIm Rahmen einer Forschungskooperation des Siebenbürgischen Museums Gundelsheim mit dem rumänischen Harbachtalmuseum / Muzeul de Istorie Agnita (Agnetheln) und der Heimatortsgemeinschaft Agnetheln geht es um die Wiederentdeckung des gebürtigen Siebenbürger Künstlers Michael Barner.

Die Mitte März auf Schloss Horneck in Gundelsheim eröffnete Ausstellung „Michael Barner. 1881–1961. Maler, Musiker, Poet“ bildet den Abschluss eines Projektes, das federführend von Dr. Irmgard Sedler, Vorsitzende des Trägervereins des Siebenbürgischen Museums, und Helga Lutsch, Vorsitzende der Heimatortsgemeinschaft Agnetheln, begleitet wurde. Als Weltpremiere wurde bei der Vernissage Musik Michael Barners in Bearbeitung von Professor Heinz Acker geboten. Am Programm beteiligten sich auch der Tenor Dieter Wagner und der Liederkranz der Siebenbürger Sachsen Heilbronn.

In der Schau  sind Werke aus dem Bestand des Siebenbürgischen Museums sowie aus deutschem Privatbesitz zu sehen, die zum Großteil noch nie öffentlich ausgestellt wurden. Sie geben Einblick in das vielseitige Schaffen eines Künstlers aus Siebenbürgen, der fast in Vergessenheit geraten ist. Zu den repräsentativen Arbeiten gehören Landschaften und Porträts.

Der 1881 im siebenbürgischen Agnetheln als Sohn einer Handwerkerfamilie geborene Michael Barner besuchte die ungarische Bürgerschule in Fogarasch  und absolvierte 1900 die staatliche (ungarische) Handelsmittelschule in Kronstadt.

1903/1904 war er Student mit staatlichem Stipendium an der Musterzeichenschule in Budapest. In dieser Zeit lernte er die nordsiebenbürgische Künstlerkolonie von Nagybánya/Baia Mare und die ungarische Avantgarde kennen. Es folgte eine Bildungs- und Studienreise durch Europa. Unter anderem studierte Barner an der Scuola Libera di Roma, wo er sich dem Schwerpunkt Aktzeichnen widmete. 1907 kehrte er in die Heimat zurück und zeigte seine Arbeiten im Rahmen von Einzelausstellungen in Kronstadt, Hermannstadt und Schäßburg.

Der ruhelose Künstler begab sich 1910/11 erneut auf Wanderung mit dem Ziel Niederlande. Auf dem Rückweg verbrachte er ein Studiensemester an der Kunstakademie in München. Mit seiner zweiten Einzelausstellung in Hermannstadt schaffte Barner im Jahr 1912 den Durchbruch und trat somit ins Bewusstsein der kunstinteressierten siebenbürgischen Bevölkerungsschichten.

Am Ersten Weltkrieg nahm Michael Barner als Leutnant teil, wobei seine aufstrebende Karriere als Maler eine entscheidende Wendung erlebte. Der sensible Künstler kam mit den Kriegsereignissen nicht zurecht. Nach einer Gehorsamsverweigerung rettete ihn nur die Einweisung in eine Hermannstädter Nervenheilanstalt vor dem Militärgericht. Von 1918 bis Mitte der 1930er Jahre lebte und arbeitete Barner in Berlin, kehrte jedoch nach Siebenbürgen zurück. Der mittellose Künstler lebte im Altenheim von Birthälm und verstarb 1961 in Mediasch.

Viele Grafiken und Gemälde spiegeln die Beschäftigung Barners mit den zeitgenössischen Kunstströmungen, die er während seiner Reisen durch Europa kennengelernt hat. Die Ölgemälde der 20er und 30er Jahre erinnern an die von der ungarischen Avantgarde in Nagybánya propagierten Landschaftsmalerei im Zeichen von Fauvismus und Dekorativismus. Die fauvistischen Reflexe bleiben in Barners Arbeiten auch dort erhalten, wo er Farbflächen im Spiel des Lichtes zu erzählenden Bildern und zu formalisierten Landschaften verbindet. Die frühen Porträts und Studien wiederum weisen auf einen begnadeten Zeichner hin, der die Grenzen der akademischen Malerei überwindet und sich immer mehr einer expressiven Darstellung zuwendet.

Der künstlerische Nachlass von Michael Barner mit 32 Gemälden, 21 Aquarellen und 86 Zeichnungen befindet sich im Besitz des Harbachtalmuseums Agnetheln. Während des Forschungsprojektes entdeckte man noch andere Facetten des vielseitigen Künstlers. Er schrieb Gedichte in mehreren Sprachen und vertonte Verse. Namhafte Fachleute wollen den dichterischen und musikalischen Nachlass erforschen und später der Öffentlichkeit bekannt machen.

Zur aktuellen Ausstellung, die im Siebenbürgischen Museum Gundelsheim bis zum 21. Juni zu besichtigen ist, gibt es einen Katalog mit dem Verzeichnis der Gemälde und Grafiken sowie mit Partituren der musikalischen Werke Michael Barners.

D. G. (KK)

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