Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1306.

Literatur und Kunst

„Ich lächle, leuchte, wandere“

Ausstellung zum 100. Geburtstag Erich Elsners in Ratingen

Die neue Sonderausstellung im Oberschlesischen Landesmuseum von Ratingen-Hösel bietet Einblicke in das Lebenswerk des gebürtigen oberschlesischen Bildhauers Erich Elsner.

Er wurde 1911 in Grunau, Oberschlesischer Kreis Neisse, geboren und lebte von 1957 bis zu seinem Tod im Jahre 1985 in Ratingen. Der Bildhauer Erich Elsner hat nicht nur in Museen und Galerien, sondern auch im öffentlichen Raum viele künstlerische Spuren hinterlassen. Allein in Ratingen erinnern die zwei Meter hohe Brunnenplastik „Dreiklang“, die Bronzeplastik „Auffliegende Vögel“ und fünf bronzene Türgriffe bei der Stiftung Haus Oberschlesien sowie Teile der Ausstattung der Herz-Jesu-Kirche an Erich Elsner. Fünf Wappen und eine Schrifttafel in der Gedenkstätte des Deutschen Ostens auf Schloß Burg im Bergischen Land und das abstrakte Hauptwerk „Triumphales Dreieck“ in Bottrop sind weitere Arbeiten von Elsner, die im öffentlichen Raum stehen. Wer sein Werkverzeichnis durchblättert, wird jedoch von der Vielzahl der Plastiken und Porträts, der Holzschnitte und Zeichnungen sowie der Wachsmodelle überrascht.

Eine repräsentative Objekt-Auswahl aus allen Schaffensperioden ist bis zum 17. April im Oberschlesischen Landesmuseum von Ratingen-Hösel zu sehen. Die umfangreiche Werkschau ist mit Unterstützung von Thomas Elsner, dem Sohn des Künstlers, zustande gekommen. Die Sonderausstellung „Ich lächle, leuchte, wandere“ ist dem 100. Geburtstag von Erich Elsner gewidmet.

Nach einer praktischen Tischlerlehre in Neisse wurde der talentierte Zeichner von 1927 bis 1932 von den bekannten Bildhauern Cirillo Dell’Antonio und Walter Volland an der Warmbrunner Holzschnitzsschule im Riesengebirge ausgebildet. Er arbeitete als freischaffender Künstler in Neisse und wurde nach einem Studienaufenthalt in Paris 1937/38 als Student an der Hochschule für bildende Künste in Berlin aufgenommen. Dort studierte er beim bekannten Rodin-Schüler Professor Paul Wynand das plastische Arbeiten. Zu seinen Vorbildern zählen neben seinem Lehrer Wynand Künstlerpersönlichkeiten wie Ernst Barlach, Georg Kolbe und Fritz Klimsch.

Im Zweiten Weltkrieg geriet Elsner in Kriegsgefangenschaft und ließ sich 1946 in Windischeschenbach in der Oberpfalz nieder. Ab 1948 war er erneut als freischaffender Bildhauer tätig und schuf nebenbei auch viele Zeichnungen und Aquarelle. Später beschäftigte sich der Künstler intensiv mit Porträtstudien und übernahm Restaurierungsarbeiten.

Wie Thomas Elsner bei der Vernissage der Ausstellung in Ratingen betonte, ist dies die erste große Präsentation, in der die komplette Bandbreite des künstlerischen Schaffens seines Vaters abgedeckt wird. Der Sohn des Künstlers erinnert sich gerne an jene Zeit, als er dem Bildhauer im Ratinger Atelier bei der Arbeit über die Schulter gucken durfte und dann als kleiner Junge auch Modell stand.

Zu den ausgestellten Exponaten gehören neben imposanten Skulpturen in Bronze, Holz und Gips auch zahlreiche Kleinplastiken, in denen Personen und Situationen auf das Wesentliche reduziert worden sind. Das christliche Thema und der Mensch spielen in Elsners Werk zentrale Rollen. Neben figürlichen Kompositionen unter dem Motto „Mutter und Kind“ sind die vom Bildhauer entwickelten szenischen „Kastenplastiken“ mit Titeln wie „Ecce Homo“, „Verkündung an die Hirten“ und „Judith“ zu sehen.

Der Berggeist Rübezahl hat Erich Elsner schon in der Kindheit fasziniert und im Laufe seines Lebens nicht mehr losgelassen. Auch in der Ratinger Ausstellung finden sich mehrere Rübezahl-Motive, darunter ein gipsernes Kopfdetail der großen Bronzefigur, die Elsner für die Stadt Goslar geschaffen hat, sowie eine eichene und eine Bronzeskulptur der Sagengestalt.

D. G. (KK)

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