Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1306.

Literatur und Kunst

Breslauer Farben für Regensburg

Willi Ulfig hat sein Können mitgebracht und fruchtbar gemacht

Liebhaber und Kunstinteressierte konnten und können in drei Regensburger Ausstellungen viele Facetten des Könnens des weit über den regionalen Bereich bekannten und geschätzten Künstlers Willi Ulfig entdecken. Seine Werke sind in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten.

Willi Ulfig erlernte in seiner Heimatstadt Breslau auf Drängen seines Vaters zunächst das Malerhandwerk und beendete dann 1932 an der Akademie Breslau seine künstlerische Ausbildung. So gerüstet konnte
er seinen Lebensunterhalt während des „Dritten Reiches“ bestreiten, dessen „Vorläufer“ schon nach dem „Preußenschlag“ die ungeliebte Akademie mit ihren „entarteten“ Professoren schlossen. Der Krieg brachte auch für ihn und seine Familie die bekannten Umwälzungen. 1945 fand sich die Familie in Regensburg wieder. Ulfig erkor sich diese Stadt, die ihn in vielem an Breslau erinnerte, zum neuen Wohn- und Arbeitsort. Der Krieg bedeutete eine zweifache Zäsur: den Verlust der Heimat und den Verlust des Vorkriegswerkes bis auf einige Stücke. Allerdings sind letztens einige Arbeiten aus der Zeit des Kriegsdienstes wieder aufgetaucht.

Die Ausstellungen in Regensburg zeigen Werke ab dem Jahr 1945. Denn kaum angekommen, begann Ulfig wieder künstlerisch zu arbeiten. Die erste Ausstellung im Donaueinkaufszentrum präsentiert Ulfigs Beschäftigung mit der nahen und später auch der fernen Landschaft, als Reisen wieder möglich wurden. Die Jahreszeiten mit allen Facetten des Lichts werden in der Landschaft wiedergegeben, bis hin zur farbigen Abstraktion der Klassischen Moderne. Die Beherrschung des Umgangs mit der Farbe und allen Techniken machen die ausgestellten Werke zur Augenweide.

In der Westnerwacht hingegen machen die Arbeiten Ulfigs die schon zu seinen Lebzeiten bewunderte Leichtigkeit der Wiedergabe von Mensch und Tier in vielfältiger Bewegung deutlich, von der anscheinend so spielerischen Aktzeichnung bis hin zur fast schon meditativen Beobachtung des Menschen im Farbraum. Immer wieder ist man vom Umgang mit der Farbe fasziniert. Die beiden Ausstellungen beweisen die Sorgfalt und auch die Wertschätzung, von welchen die Nachlaßverwaltung von seiten des Kunstkontors geprägt ist.

Die Ausstellung im „Leeren Beutel“ konzentriert sich auf Ulfigs Beschäftigung mit der Donaustadt und ihrer nahen Umgebung von seiner Ankunft bis zum Beginn der 80er Jahre. Gezeigt werden große Auftragsarbeiten, Ulfig schuf auch eine Fülle von Glasmalereien und Wandmalereien in und an öffentlichen und privaten Gebäuden, Werke in allen Dimensionen und Techniken. Gegenstände sind Stadtlandschaften mit den Kriegsschäden der 40er bis hin zur in den späten 60er Jahren neu entstandenen Universität. Auch in dieser Ausstellung zeigt sich die Souveränität Ulfigs im Umgang mit der Farbe.

Von der realitätsnahen Wiedergabe bis zur Abstrahierung mit Metaphern des Stadtbildes mit seinen mittelalterlichen Gebäuden mit dem Dom und seinen Kirchen reicht das „Stadtpanorama“, das die Sammler schätzten. Die vielen Leihgaben von Institutionen und aus Privatbesitz sind ein Beweis dafür. Die Reise nach Regensburg ist also durchaus zu empfehlen. Noch sind zwei Ausstellungen geöffnet. Und die Stadt kann anschließend mit dem Werk verglichen werden.

Hans-Georg Matthes (KK)

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