Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1362.

Literatur und Kunst

Den Wörtern neuen Halt geben

Bei den Wangener Gesprächen versuchen das alle, der diesjährige Preisträger mit besonderem Erfolg

Der diesjährige Preisträger des Eichendorff-Literaturpreises ist der in Berlin lebende Schriftsteller und Literaturkritiker Nico Bleutge. In seiner Laudatio auf Nico Bleutge wies Tobias Lehmkuhl, Berlin, auf eine Verwandtschaft zwischen Gedichten Eichendorffs und Bleutges hin: „Bleutges Wörter sind selbst sehr kleine Partikel, die, vom Dichter auf besondere Weise aufgeladen, ebenfalls in der Lage sind, sich anzulagern. So werden im Verlauf eines Gedichtes die Verse immer länger, ganz als würden die Wörter sich gegenseitig Halt geben, würden zunehmend Festigkeit erlangen. Ja, diese Gedichte bestehen aus einem anderen Stein, sind keine leicht spaltbaren Gebilde, sondern durch Rhythmus und Klang und die Präzision der Wahrnehmung von einer Stabilität, wie man sie bei so anmutigen, zarten Gebilden nicht vermuten würde. Darin sind die Gedichte Nico Bleutges denen Joseph von Eichendorffs verwandt: dass ihre vermeintliche Leichtigkeit, der leise Ton, in dem sie daherkommen, wahr ist und warm und wie für die Jahrhunderte geschaffen“, betonte in seiner Laudatio Tobias Lehmkuhl.S30--Wangener-Gespräche

In der Reihe der Autorenlesungen lasen im Rahmen der Tagung Carmen Kotarsky, Stuttgart, Lyrik und kurze Prosaresonanzen und Ulrich Schacht, Farslöv, Schweden, aus der Novelle „Grimsey“ sowie dem neuen Lyrikband „Platon denkt ein Gedicht“. In der Vortragsreihe sprachen Dr. Magdalena Maruck, Universität Breslau/Wrocław, über „Kurt Heynicke – Ein Dichter aus Schlesien zwischen Revolte und Opportunismus“ sowie Professor Dr. Klaus Garber, Osnabrück, über „Altes Breslau im Kontext schlesischer Kulturgeschichte“.

Neben der Überreichung des Eichendorff-Literaturpreises an Nico Bleutge stellte das Konzert „An Gerhart Hauptmann“ im Weberzunfthaus einen Höhepunkt der Tagung dar: Aus der Lyrik von Stefanie Kemper, Maierhöfen, und in der Komposition von René Giessen, Berlin, wurden sechs Lieder von Barbara Cramm (Sopran) und Katarzyna Wasiak (Klavier) uraufgeführt.

Während der Tagung war im Giebelsaal der Badstube die Ausstellung „Holzschnitte – Eine kleine Werkschau“ von Christa B. John und Klaus John, Weil der Stadt, zu sehen. Christa B. John wurde 1941 in Polsnitz, Kreis Waldenburg, geboren. Im Alter von drei Jahren kam sie nach Stuttgart. Von 1979 bis 1984 studierte sie an der Freien Kunstschule Stuttgart und von 1991 bis 2006 war sie Kursleiterin an der Volkshochschule Leonberg in verschiedenen Techniken wie Zeichnen, Mischtechnik, Pastellmalerei. Seit 1996 bildet der Holzschnitt den Schwerpunkt ihres künstlerischen Schaffens.

Johannes Rasim (KK)

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