Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1362.

Literatur und Kunst

Ein Worpswede an der Donau

Ungarische Kunst aus Szentendre in Ulm

„Ohne Szentendre gäbe es keine moderne ungarische Malerei“, betont der renommierte ungarische Kunsthistoriker Lajos Németh und unterstreicht die Bedeutung der nördlich von Budapest gelegenen Kleinstadt. Im Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm ist die Ausstellung „Donaublicke – Ungarische Kunst aus Szentendre“ bis zum 28. März 2016 zu besichtigen.

Im Jahr 1926 entdeckten acht junge Maler die idyllische Kleinstadt am Ufer der Donau, nicht weit von Budapest entfernt. Das Städtchen bot den Studenten der ungarischen Hochschule für bildende Künstler eine ländliche Zuflucht auf Zeit und gab ihnen die Möglichkeit, sich fern der hektischen und industrialisierten Stadt zu entfalten. Sie wählten den Ort als Standort für eine Künstlerkolonie.

Das Gründungsmitglied Miklós Bánovszky schrieb in seinen Erinnerungen: „Nach unserem Einzug fingen wir an, das alte Städtchen zu erkunden. Wir fanden es sehr interessant: Die orthodoxe Kirche, Gedenkkreuze und Säulen, die katholische Kirche aus dem 13. Jahrhundert und die alten Wohnhäuser beschwören die Vergangenheit.“

In der Ausstellung sind Arbeiten der Gründer der Künstlerkolonie wie Ernö Jeges, Béla Ónódi, Miklós Bánovszky, József Bánáti Sverák oder László Rozgonyi zu sehen. Ergänzt wird die Schau durch Werke, die von Freunden, Schülern und Gästen der Künstler geschaffen wurden. Einige wurden auch Mitglieder der später gegründeten Künstlervereinigung. So sind in der Ausstellung auch Antal Deli, Mária Modok, Miklós Göllner oder Josef Bartl vertreten. S27--Szentendre-Bild-38

Die ausgestellten Werke stammen aus der privaten Sammlung von János S. Nagy und aus den Beständen des DZM. Die Sammlung von János S. Nagy befindet sich übrigens in seinem Privathaus im Zentrum Szentendres. Dort lebte früher Béla Ónódi, ein Gründer der Künstlerkolonie. Kuratiert wurde die Ausstellung von Andrea Vándor (DZM) und Regina Hellwig-Schmid (Donumenta, Regensburg). Da die künstlerische Ausstrahlung von Szentendre bis heute wirkt, haben die Kuratorinnen drei zeitgenössische Künstler aus Ungarn in das Projekt eingebunden. Kamilla Szij, Ottó Vincze und Lajos Csontó aus Szentendre haben sich mit den inzwischen historischen Bildern auseinandergesetzt und teils eigens für diese Ausstellung künstlerische „Interventionen“ geschaffen. Ihre Zeichnungen, Objekte, Raum- und Videoinstallationen setzen einen aktuellen Kontrast zu den Donaublicken aus der Künstlerkolonie.

Ein Katalog mit Farbabbildungen der Kunstwerke und der Rauminstallationen soll bis Jahresende vorliegen.

(KK)

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