Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1368.

Literatur und Kunst

Im Kloster, aber nicht in Klausur

Das Westpreußische Landesmuseum ist in Warendorf angekommen – und sichtlich gut aufgehoben

Die offizielle Neueröffnung des Westpreußischen Landesmuseums (WLM) im ehemaligen Franziskanerkloster von Warendorf fand Ende 2014 statt. Inzwischen hatte das Museumsteam unter der Leitung seines langjährigen Direktors Dr. Lothar Hyss bereits Gelegenheit, zahlreichen Besuchern Begegnungen mit der deutsch-polnischen Kulturlandschaft zu ermöglichen, sei es im Rahmen der neu gestalteten Dauerausstellung, sei es mit Wechselschauen sowie nicht zuletzt mit Lesungen, Buchpräsentationen und Vorträgen. seite27-KK1368

In der Rückblende wird deutlich, dass sich die Geduld und Hartnäckigkeit während der langwierigen Restaurierungs- und Einrichtungsphase und der Kraftakt des Umzugs von Münster-Wolbeck, durchaus gelohnt haben. Man ist auf das Jetzt und das Morgen fokussiert und darauf bedacht, das Haus strukturierter und lebendiger, also rundum attraktiver zu machen.

„Es war für uns eine Zeit, in der lang gehegte Wünsche wahr wurden, Erwartungen sich erfüllten und Herausforderungen gemeistert werden konnten. Die Bilanz nach nunmehr 17 Monaten im neuen Domizil ist rundum positiv. Das Ausstellungskonzept wurde erfolgreich umgesetzt – und von den Besuchern angenommen“, betont Dr. Hyss.

Zwar ist der Kern der Dauerausstellung erhalten geblieben, doch anders als früher will das Haus nicht mehr in erster Linie ein Erinnerungsort für die von Flucht oder Vertreibung Betroffenen sein. Man will die Darstellung einer deutsch-polnischen Kulturregion mit Bezügen zur Gegenwart in den Vordergrund rücken. Der konzeptionelle Wandel des Hauses lässt sich am besten am historischen Parcours durch die wichtigsten Stationen der westpreußischen Geschichte erkennen. Die Dauerausstellung im Kreuzgang und im verwinkelten Obergeschoss mit den Klausurräumen des aus dem 17. Jahrhundert stammenden Klosters stellt die vielfältige Geschichte der Region um Danzig am Unterlauf der Weichsel in den Fokus. Das Danzig-Zimmer ist nach wie vor einer der Höhepunkte. Hinzu kommen die große Danziger Tapisserie aus dem Jahr 1620 sowie zahlreiche Möbel und Gemälde.

Auf die Frage nach Argumenten für einen gelungenen Neustart antwortet der seite28-KK1368Museumsdirektor: „Der Gebäudekomplex mit seiner tiefen Verwurzelung in der Ortsgeschichte Warendorfs bildet nun den Ausgangspunkt für Brücken in die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Das Museumsteam widmet sich der Präsentation und Vermittlung eines komplexen historischen Spannungsfeldes.“

Im Jahre 2015 wurden 88 Gruppen-Führungen gebucht, und es fanden 32 Veranstaltungen, darunter Vorträge und Lesungen, statt. Warendorfer Stadtführer haben das Museum und die angeschlossene Klosterkirche in ihr Programm seite29-KK1368aufgenommen und bieten unter anderem Sonntagsbesichtigungen an. Fast 90 000 Mal wurde zudem die Seite des Museums im Internet angeklickt. Es wurden Kontakte zu den örtlichen Schulen, insbesondere den drei Gymnasien, geknüpft. Mittlerweile wird auch den Schulen im gesamten Kreis Warendorf das Museum und sein museums-
pädagogisches Programm nahegebracht. Ein Grund für den Publikumserfolg ist auch die Möglichkeit, hinter die einst verschlossenen Türen eines Klosters zu blicken. Gleich neben dem modern gestalteten Eingangsbereich des Museums findet sich der Besucher schon im Kreuzgang. Dort werden Gemälde des westpreußischen expressionistischen Malers Bruno Krauskopf zusammen mit der alten Anwesenheitstafel der Mönche aus dem Jahr 1728 gezeigt.

Bis Juni 2016 zeigt das Westpreußische Landesmuseum die Sonderausstellung „Orte der Erinnerung“. Vom 25. Juni bis zum 30. Oktober 2016 wird die Ausstellung „Das Niegehörte sichtbar machen. Die Bildwelten des Günter Grass (1927 Danzig – 2015 Lübeck)“ gezeigt. Im Jahr 2017 wird das Westpreußische Landesmuseum gemeinsam mit dem Muzeum Powstania Warszawskiego an den Warschauer Aufstand von 1944 erinnern. Im Anschluss wird das Nationalmuseum Danzig/Muzeum Narodowe Gdansk ausgewählte Kunstwerke aus seiner Sammlung in Warendorf ausstellen.

(KK)

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