Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1368.

Literatur und Kunst

Als flösse die Oder durchs Siebengebirge

Breslau als Kulturhauptstadt Europas 2016 hat eine aktive Außenstelle im Haus Schlesien in Heisterbacherrott

Mit der Ausstellung „Junge Kunst aus Breslau“ und einem regen Dialog des Publikums seite25-KK1368mit zeitgenössischen Künstlern startete das Dokumentations- und Informationszentrum für schlesische Landeskunde in Königswinter-Heisterbacherrott sein Programm zur Feier der Europäischen Kulturhauptstadt 2016. Im Mittelpunkt der Begegnung standen die beiden jungen Breslauer Künstler Małgorzata Zukterowska und Łukasz Morawski, die bis Mitte August eine Auswahl ihrer Arbeiten zeigen. Am Gespräch nahm auch der etablierte Bildhauer Stanisław Wysocki (Stanwys) teil.

Wer Haus Schlesien besucht, kann feststellen, dass nicht nur im Eichendorffsaal, sondern auch im Eingangsbereich und im Treppenhaus farben- und formenreiche Malereien zu sehen sind. Kennzeichnend für die beiden Künstlerpersönlichkeiten ist das Sichtbarmachen von Landschaften, die zwar real und anschaulich sind, aber durchaus auch ideale Züge tragen.

Die 1983 im oberschlesischen Kreuzburg/Kluczbork geborene Wahl-Breslauerin seite26-KK1368Zukterowska verriet, dass die Bilder aus dem Zyklus „Karussell“ ihre persönlichen Empfindungen widerspiegeln. Die Gegenstände, Landschaften und Gebäude dienen eigentlich nur als Ausgangspunkte und Inspirationsquellen, die kraft ihrer schöpferischen Phantasie neue, subjektive Facetten erhalten. Ihre geometrisch wirkende Malerei lässt beim genaueren Hinsehen Kähne, Tiere oder Stillleben erkennen. „Diese farbenfrohen Bilder sind in mir drin, ich trage sie eigentlich nur mit dem Pinsel nach außen“, betonte die Künstlerin. Ihre Bilder strahlen viele Gefühle aus, die ihrem lebhaften Charakter entsprechen.

Der international erfolgreiche Künstler Łukasz Morawski ist seiner Alma Mater bis heute treu geblieben, er lehrt dort seit 1999 als Dozent. Mit 19 Jahren zog es den 1964 in Hindenburg/Zabrze geborenen Maler an die Akademie der Künste in Breslau. Mit Haus Schlesien hatte er schon vor einigen Jahren engen Kontakt, als er Material für seine Dissertation einsehen durfte.

In der aktuellen Ausstellung zeigt Morawski einige seiner jüngsten Arbeiten, die – wie übrigens die meisten seiner Malereien – in freier Natur entstanden sind. In seinen als „Vibrationslandschaften“ bezeichneten Werken verbindet der Künstler Emotionen mit der Rigorosität analytischer Wissbegierde. Er interpretiert malerisch die vorgefundenen Ansichten.

Zu der Delegation aus Breslau, die am Künstlerdialog im Haus Schlesien teilnahm, gehörten auch die Bildhauer Stanisław Wysocki (Stanwys) und sein ebenfalls künstlerisch tätiger Sohn Michał. Als Ehrengast wurde Dr. Maciej Łagiewski, der Direktor des Städtischen Museums in Breslau (Muzeum Miejskie Wrocławia), begrüßt. Der gebürtige Ostpreuße Stanisław Wysocki ist dem Königswinterer Publikum bereits durch bisherige Ausstellungen bekannt.

Auch zu dieser Begegnung brachte er eine Auswahl seiner jüngsten kleinformatigen Bronze-Statuen mit. Viele Besucher des Hauses verbinden den Namen Stanwys nicht zuletzt mit der Eichendorff-Figur, die im Park zu sehen ist. Gemeinsam mit seinem Sohn schuf der Bildhauer den „frohen Wandersmann“ Joseph Freiherr von Eichendorff.

Dr. Maciej Łagiewski, der langjährige Direktor des Städtischen Museums in Breslau, gilt als eine Instanz, wenn es um Fragen rund um die Odermetropole geht. Als wesentlicher „Motor“ der unvoreingenommenen Auseinandersetzung mit der Geschichte und Kultur der Stadt stellte Dr. Łagiewski einige Höhepunkte aus dem umfangreichen Programm der Kulturhauptstadt vor.

Wie Nicola Remig, die Leiterin des Dokumentations- und Informationszentrums für schlesische Landeskunde, mitteilte, wird auch im Rheinland ein „Stück“ Breslau zu erleben sein.

Bis September finden monatlich Veranstaltungen zum aktuellen und historischen Breslau statt, die viele Facetten der Kulturmetropole aufzeigen werden. Neben der aktuellen Gemäldeschau und dem Dialog mit zeitgenössischen Künstlern beteiligt sich Haus Schlesien in Königswinter-Heisterbacherrott mit der Sonderausstellung „Breslau persönlich. Biografische Blicke auf die Europäische Kulturhauptstadt“ am Programm. Die Dokumentation wird vom 22. Mai bis zum 11. September zu besichtigen sein. Um den Besuchern das Motto der Ausstellung mit auf den Weg zu geben, schreibt Haus Schlesien einen Fotowettbewerb aus. Interessierte können bis zum 30. Juni 2016 zwei eigene Breslau-Fotografien in digitaler Form einreichen. Informationen unter Telefon 02244 886 231 oder kultur@hausschlesien.de.

In Kooperation mit dem Gerhart-Hauptmann-Haus Düsseldorf, der Breslauer Sammlung Köln und dem Deutschen Kulturforum östliches Europa Potsdam findet am 3. und 4. Juni in Ergänzung zur Ausstellung „Breslau persönlich“ eine Tagung statt. Historiker, Kunsthistoriker, Geographen und Literaturwissenschaftler setzen sich in ihren Vorträgen mit der „Metropole im Umbruch“ auseinander. Zum „Breslau-Schwerpunkt“ gehört auch die Studienreise in die Kulturmetropole vom 11. bis zum 17. September unter der fachkundigen Leitung von Thomas Maruck.

D. G. (KK)

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