Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1369.

Literatur und Kunst

Kristalline Opulenz

Polnisch-deutsche Museumskooperation in Sachen barockes Glas

Das Muzeum Karkonoskie w Jeleniej Górze (Riesengebirgsmuseum Hirschberg) und das Schlesische Museum zu Görlitz zeigen in einer gemeinsamen Ausstellung ihre wertvollen Bestände barocker Gläser aus Schlesien. Die durch Leihgaben aus großen polnischen Museen sowie aus deutschen Sammlungen ergänzte Präsentation umfasst ein breites Spektrum der Glasproduktion. Bis zum 31. Juli sind die barocken Gläser in Hirschberg/Jelenia Góra zu sehen, danach vom 20. August bis zum 20. November 2016 in Görlitz zu bestaunen. Vor dem Hintergrund, dass in den Glashütten am Fuße des Riesengebirges im 17. und 18. Jahrhundert gläserne Kunstwerke entstanden, die bis heute durch Feinheit, Detailreichtum und Motivvielfalt beeindrucken, wurde die Ausstellung erarbeitet und der von der Ernst von Siemens Kunststiftung geförderte Katalog erstellt.

Bekannt ist, dass im Raum Hirschberg bis 1700 ein Zentrum der Glasproduktion und Seite-30-KK1369vor allem der Glasveredlung von europäischem Rang entstand. Die Erzeugnisse zeichneten sich durch aufwendige Schliffe und Schnitte aus, die von den zahlreichen Edelstein- und Glasschneidern mit hoher Kunstfertigkeit gearbeitet wurden. Großen Einfluss auf die Entwicklung hatten die Grafen Schaffgotsch als Territorialherren und Auftraggeber für edle Gläser. Wichtige Abnehmer der Glaserzeugnisse waren Adlige in Schlesien, Böhmen und Österreich sowie Hirschberger Kaufleute. Andere Kunden waren Geschäftsreisende und auch die ersten Bildungsreisenden oder Kurgäste in Bädern wie Warmbrunn.

Die Schau präsentiert über 150 Gläser aus der Zeit von 1617 bis 1800. Darunter sind einfache Gebrauchsgläser wie Karaffen und Krüge, aber auch hochwertige Arbeiten wie etwa jene aus der Werkstatt und dem Umkreis des Glaskünstlers Friedrich Winter (1652–1708). Auch von Christian Gottfried Schneider (1710–1772) aus Warmbrunn sind gläserne Werke zu sehen. Darüber hinaus wird im Muzeum Karkonoskie auch ein Musterbuch Schneiders aufbewahrt.

Die Motive der Gläser sind den Wünschen der Käufer entsprechend vielfältig. Für adlige Kunden wurden meistens deren Wappen in die Wandung der Gläser geschliffen. Häufig anzutreffen sind auch Jagddarstellungen sowie allegorische und mythologische Szenen. Besonders beliebt waren Orts- und Landschaftsdarstellungen, etwa Ansichten von Breslau, Hirschberg, Warmbrunn und das Panorama des Riesengebirges mit der Schneekoppe. Eine weitere Motivgruppe bilden die Handels- und Kaufmannsmotive, darunter Kontore, Händler und Kunden beim Geschäftsabschluss, Fuhrwerke, Handwerkstätigkeiten, Embleme von Zünften sowie Schiffe für den Handel mit England.

Gefördert wird das deutsch-polnische Projekt von deutscher Seite durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages, das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, das Sächsische Staatsministerium des Innern, die Ernst von Siemens Kunststiftung und die Kulturreferentin für Schlesien und auf polnischer Seite vom Marschallamt der Woiwodschaft Dolny Slask/Niederschlesien.

D. G. (KK)

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