Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1372.

Literatur und Kunst

Vom Fund- zum Kunst-Stück

Der Objektkünstler Daniel Spoerri im Kunstforum Ostdeutsche Galerie

Eat Art: Nicht eigentlich gedeckt, dafür geklebt ist der Tisch, an dem Daniel Spoerri sitzt Foto: Barbara Räderscheidt, Kunstforum Ostdeutsche Galerie

Eat Art: Nicht eigentlich gedeckt, dafür geklebt ist der Tisch, an dem Daniel Spoerri sitzt
Foto: Barbara Räderscheidt, Kunstforum Ostdeutsche Galerie

Ab dem 23. Oktober 2016 zeigt das Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg eine umfangreiche Retrospektive des Schweizer Ausnahmekünstlers Daniel Spoerri (geboren 1930 in Galatz/Galati, Rumänien), der den Lovis-Corinth-Preis für das Jahr 2016 erhält. Die feierliche Preisverleihung wird anlässlich der Eröffnung am Samstag, dem 22. Oktober 2016, stattfinden.

Daniel Spoerri, Mitglied der internationalen Künstlergruppe „Nouveau Réalisme“, gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Objektkunst. Als Meister der Assemblage und Begründer der „Eat Art“ schreibt Spoerri Kunstgeschichte und ist mit seinen Werken in den großen Museen der Welt vertreten.

Mit der Erfindung des „Fallenbildes“ („Tableau piège“) beginnt Spoerris künstlerische Karriere. Gegenstände, die in spontanen, ordentlichen oder unordentlichen Situationen vorgefunden werden, befestigt er auf ihrer zufälligen Unterlage. Das Resultat wird zum Bild erklärt und an die Wand gehängt.

Spoerris eigentliche Passion ist das Sammeln alltäglicher, trivialer Gebrauchsgüter der konsumorientierten Wegwerfgesellschaft. Seine Fundstücke sammelt er nicht, um sie zu besitzen, sondern um sie sichtbar zu machen. Aus dem geistigen und materiellen Zwischenlager entsteht über Jahre eine Ansammlung von kulturellen Objekten, die Spoerri mit hintersinnigem, aber auch ironisch-humorvollem Seitenblick zu mehrdeutigen Assemblagen zusammenfügt.

Anlässlich der Auszeichnung seines Lebenswerkes widmet das Kunstforum Ostdeutsche Galerie dem vielseitigen Grenzgänger eine retrospektive Werkschau, die seine kuriosen Assemblagen und grotesken Bronzeplastiken zwischen skurril-absurder Erscheinung und magisch-transzendenter Bedeutung ausbreitet.

Der Lovis-Corinth-Preis – benannt nach dem aus Tapiau/Ostpreußen stammenden Maler Lovis Corinth (1858–1925) – wurde 1974 von der KünstlerGilde e. V. begründet, seit 2006 erfolgt die Preisvergabe gemeinschaftlich durch das Kunstforum Ostdeutsche Galerie und die KünstlerGilde. Die seit 2006 im Zweijahresrhythmus und seit diesem Jahr durch das Kunstforum Ostdeutsche Galerie allein in Kooperation mit wechselnden Partnern realisierte Preisvergabe richtet sich an bildende Künstlerinnen und Künstler (Malerei, Grafik, Skulptur, Installation, Fotografie, Neue Medien), deren Werk in der Zugehörigkeit zur Gegenwartskunst im östlichen Europa sowie in der Auseinandersetzung mit dieser entstanden ist oder die deutsche Kunst in den historischen deutschen Kulturlandschaften reflektiert.

Die Verleihung würdigt ein international bedeutendes Gesamtwerk, das für die Entwicklung zeitgenössischer Ausdrucksformen einen relevanten Beitrag leistet.

Die Preisverleihung ist mit einer Ausstellung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie verbunden. Dank der Unterstützung der Freunde und Förderer des Kunstforums Ostdeutsche Galerie e. V. wird der Preis mit 10 000 Euro dotiert.

Gabriela Kašková (KK)

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