Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1308.

Literatur und Kunst

Besessen, vor allem von sich selbst

Das Westpreußische Landesmuseum zeigt Klaus Kinski in oft
beklemmend faszinierenden Fotografien von Beat Presser

Die Vernissage-Besucher hatten die seltene Gelegenheit, vom Fotografen Beat Presser durch die Kinski-Ausstellung in den Räumlichkeiten des Westpreußischen Landesmuseums zu Münster-Wolbeck geführt zu werden.

Der gebürtige Basler Künstler erzählte, daß er Klaus Kinski im Jahre 1977 in Paris kennengelernt und ihn über einen längeren Zeitraum fotografisch begleitet hat. Presser war u.a. Standfotograf bei den Dreharbeiten zu Werner Herzogs Filmen „Fitzcarraldo“ und „Cobra Verde“. Gerne erinnert sich der Künstler an die Jahre, die er mit dem schon zu Lebzeiten heftig umstrittenen „Film-Wüterich“ verbracht und in denen er auch neue, weniger bekannte Gesichter des Schauspielers in Bildern eingefangen hat. In der Ausstellung zeigt er u.a. ausgewählte Bilder vom Set.

Wie Dr. Lothar Hyss, Direktor des Westpreußischen Landesmuseums, und der Ausstellungskurator Dr. Martin Steinkühler betonten, will man mit der Kinski-Schau die Tradition von Präsentationen im Drostenhof fortführen, die das Leben berühmter Persönlichkeiten aus dieser Herkunftsregion beleuchten. Der Schriftsteller, Grafiker und Bildhauer Günter Grass, der Astronom Nicolaus Copernicus und der Fotograf Alfred Eisenstaedt werden im Mittelpunkt zukünftiger Projekte stehen.

Anhand von 70 mittelgroßen und großformatigen Schwarzweiß- und Farbaufnahmen ist es Presser gelungen, in der Schau verschiedene Facetten des berühmt-berüchtigten Schauspielers zu präsentieren. Kinski ist sowohl leidenschaftlich agierend zu sehen als auch kühl und distanziert wirkend wahrzunehmen. Bald gibt er sich exzentrisch und rebellisch, bald genial und verrückt. Die Aufnahmen zeigen den wandlungsfähigen Schauspieler auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens. Presser hat als Set-Fotograf viele Aspekte der „Gefühls- und Seelenlandschaften“ des Schauspielers miterlebt und auch mit der Kamera festgehalten, darunter Tobsuchtsanfälle und Streitereien mit Regisseur Werner Herzog.

Klaus Kinski gilt als einer der prägendsten Schauspieler und eine der polarisierendsten Gestalten des öffentlichen Lebens der sechziger bis achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Nikolaus Karl Günther Nakszynski wurde im Oktober 1926 in Zoppot als Sohn eines Apothekers und einer Krankenschwester geboren. Der mondäne Badeort, das heutige Sopot, an der Ostsee war Teil des nach dem Ersten Weltkrieg geschaffenen Miniaturstaates Freie Stadt Danzig, der vormals langjährigen Hauptstadt Westpreußens.

Kinski verstarb 1991 in Kalifornien im Alter von 65 Jahren. Das Westpreußische Landesmuseum erinnert mit der aktuellen Sonderausstellung auch an das 20. Todesjahr des Ausnahmeschauspielers.

Die Fotografien sind so gruppiert, daß sie der Betrachter mit etwas Phantasie zu eigenen Geschichten verknüpfen kann. Die Anordnung entstand eigentlich in Pressers Computer, mit dessen Unterstützung er seine Werke in den vorher abgelichteten virtuellen Räumen des Museums so plazierte, daß sie die größtmögliche Wirkung entfalten. Neben den  Fotografien sind auch Kinskis Originalkostüme zu sehen, darunter der weiße Leinenanzug aus „Fitzcarraldo“ und die Uniform aus „Cobra Verde“.

Bei der Vernissage der Kinksi-Schau war auch die Grafikerin Vera Pechel dabei, die das markante Ausstellungsplakat und den umfangreichen Katalog mit allen Fotografien aus der Schau und zahlreichen Hintergrundinformationen gestaltet hat. Die Publikation kann im Museum erworben werden.

Am 21. Juli und am 8. September finden im Westpreußischen Landesmuseum zu Münster-Wolbeck ein Vortrag und eine Diashow unter dem Motto „Fotografie im Ausnahmezustand“ mit dem Fotografen Beat Presser statt. Die Kinski-Ausstellung ist bis zum 3. Oktober zu besichtigen.

Dieter Göllner (KK)

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