Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1384.

Literatur und Kunst

Als bauten sie selbst immer noch

Gedenkstätte für Langhans Vater und Sohn in Berlin

Berliner Ehrengrab des Sohnes Carl Ferdinand Langhans auf dem Friedhof Jerusalems- und Neue Kirche III
Bilder: Langhans-Gesellschaft

Historische Friedhöfe sind naturgemäß geschichtsträchtige Orte. Jahrzehntelang waren viele dieser Friedhöfe vernachlässigt.

Dass sie auch Orte der aktiven Erinnerung an Ereignisse, an Persönlichkeiten und deren Werke sowie der Dokumentation und Begegnung werden können, zeigt die Eröffnung der Langhans-Gedenkstätte auf dem Friedhof Jerusalems- und Neue Kirche III in Berlin-Kreuzberg, die als Umnutzung eines ehemals abbruchreifen Mausoleums gerade fertiggestellt wurde.

Carl Gotthard Langhans (Landeshut in Schlesien 1732 – 1808 Grüneiche bei Breslau) war ein schlesischer Architekt und Baumeister, dessen bekanntestes Werk das Brandenburger Tor zu Berlin ist. Seine Bauten und Innenräume gehören zu den frühesten Werken des Klassizismus in Deutschland. Carl Gotthard Langhans war preußischer Oberbaurat in Schlesien und Berlin und einflussreicher, vielseitiger und innovativer Baumeister, Lehrer und Staatsbeamter. Als Direktor des Oberhofbauamts war er seit 1788 für die Umsetzung des Stadtverschönerungsprogramms von König Friedrich Wilhelm II. für Berlin verantwortlich. Nicht nur in Berlin und Potsdam, auch in Schlesien stehen noch eine Reihe seiner Gebäude: das Alte Schloß in Dyhernfurth, Schloß Romberg bei Breslau, die evangelischen Kirchen in Waldenburg, Groß Wartenberg, Reichenbach und Rawitsch, das Palais Wallenberg-Pachaly in Breslau. Carl Gotthard Langhans starb nicht in Berlin, sondern auf seinem Besitz in Grüneiche bei Breslau. Sein Grab wurde 1957 mit der Überbauung des Großen Friedhofes in Breslau zerstört.

Die Grabstätte seines Sohnes Carl Ferdinand Langhans (Breslau 1781 – 1869 Berlin), ein Berliner Ehrengrab, befindet sich auf dem Friedhof Jerusalems- und Neue Kirche III der Friedhofsanlage vor dem Halleschen Tor in Berlin-Kreuzberg. Vom Architekten Carl Ferdinand Langhans stammt der Neubau des 1843 abgebrannten Berliner Opernhauses (Staatsoper Unter den Linden), welcher ihm wegen des akustisch hervorragenden Zuschauer- und Bühnenraums den Ruf des bedeutendsten deutschen Theaterarchitekten seiner Zeit verschaffte. Er verwirklichte im Laufe seines Lebens Bühnenhäuser in Berlin (Staatsoper, Kroll-Oper, Victoria-Theater), Liegnitz, Stettin, Dessau, Breslau und Leipzig und verfasste mehrere Schriften über den Theaterbau. Darüber hinaus sind in Breslau die Elftausendjungfrauen-Kirche, die Marienkapelle in Oswitz, die Alte Börse auf dem Salzmarkt und die Synagoge zum Weißen Storch erhalten.

In Berlin gibt es weder Hinweisschilder noch Gedenktafeln oder einen dauerhaften Erinnerungsort für Vater und Sohn Langhans. Die Carl-Gotthard-Langhans-Gesellschaft Berlin schlug daher dem Evangelischen Friedhofsverband Berlin Stadtmitte vor, auf dem Friedhof Jerusalems- und Neue Kirche III in unmittelbarer Nähe zum Grab von Carl Ferdinand eine Langhans-Gedenkstätte einrichten zu dürfen. Die Wahl fiel auf die verlassene und baufällige Ruhestätte der Geschwister Massute, ein Mausoleum, dessen klassizistische Tempelarchitektur als besonders passend und repräsentativ für diese beiden einflussreichen Architekten des preußischen Klassizismus empfunden wurde. Die Geschwister Massute, über die wenig bekannt ist, hatten sich für ihren Begräbnisort ein Bauwerk bemerkenswerter ästhetischer und baukonstruktiver Qualität geleistet, das zu den feinsten seiner Art in der Stadt gehörte.

Bauen heißt auch Inszenieren, in diesem Fall das Licht: Blick in die frisch restaurierte Langhans-Gedenkstätte

Die Finanzierung der Sanierung und Einrichtung des Gebäudes erfolgte durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Landesdenkmalamt Berlin, die Lotto-Stiftung Berlin und die Carl-Gotthard-Langhans-Gesellschaft Berlin e. V.

Am 8. September 2017 wurde die Langhans-Gedenkstätte im Mausoleum Massute feierlich eröffnet und an den Tagen des offenen Denkmals am 9. und 10. September erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Carl-Gotthard-Langhans-Gesellschaft Berlin will hier künftig mit Ausstellungen, Führungen, Vorträgen und Lesungen aktiv werden. Die Eröffnungsausstellung „Carl Gotthard Langhans: Meister des Klassizismus in Deutschland“ wurde konzipiert und erarbeitet vom Dokumentations- und Informationszentrums von Haus Schlesien (Königswinter). Sie wurde zuerst in Haus Schlesien 2008 zum 200. Todestag von Carl Gotthard Langhans gezeigt. Haus Schlesien stellt diese Tafelausstellung nun der Langhans-Gedenkstätte dauerhaft als Leihgabe zur Verfügung. Die Ausstellung wurde von der Carl-Gotthard-Langhans-Gesellschaft um eine Tafel für Carl Ferdinand Langhans und den Bezug zum Friedhof erweitert.

Ruhestätte, repräsentativ: Mausoleum der Geschwister Massute in klassizistischer Tempelarchitektur

Die geplante unbeaufsichtigte Öffnung der Langhans-Gedenkstätte während der Friedhofsöffnungszeiten lässt das Zeigen von Objekten nur in beschränktem Maße zu. An Ideen für künftige Präsentationsformen wird bei der Carl-Gotthard-Langhans-Gesellschaft Berlin weiter gearbeitet. Aktuelle Hinweise zu Öffnungszeiten und Veranstaltungen rund um die Langhans-Gedenkstätte sind zu finden unter: www.langhans-gesellschaft.org/mausoleum.

(KK)

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