Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1386.

Literatur und Kunst

Gebaute Klarheit

Bohuslav Fuchs im Düsseldorfer Gerhart-Hauptmann-Haus

Villa von Bohuslav Fuchs in Brünn
Bild: Gerhart-Hauptmann-Haus

Der kühnste und einflussreichste Vertreter des Funktionalismus in Brünn war Bohuslav Fuchs (1895–1972), der zu den bedeutendsten tschechischen Architekten des 20. Jahrhunderts gezählt wird. Mit zahlreichen Bauten sowie mit städtebaulichen und regionalplanerischen Arbeiten war Bohuslav Fuchs wie kein anderer bis in die 1940er Jahre nicht nur in Mährens Hauptstadt, sondern im gesamten Land aktiv. Verstärkt arbeitete er ab Ende der 1930er Jahre auch in der Slowakei. Fuchs hat auch als Hochschullehrer Studierende und die Fachwelt nachhaltig beeinflusst.

In Brünn begegnet man den Gebäuden von Fuchs auf Schritt und Tritt. Als die berühmtesten und in der Fachwelt heute gut bekannten Bauten gelten das Hotel Avion, 1927–1928 für eine enge Baulücke in der Altstadt als außergewöhnliche räumliche Komposition entstanden, die Mährische Bank im Zentrum, errichtet 1928–1930 mit dem deutsch-jüdischen Architekten Ernst Wiesner, und ein heute noch genutzter Pavillon am Messegelände für die Jubiläumsausstellung „10 Jahre Tschechoslowakei“ 1929. Auch das Wohnhaus von Bohuslav Fuchs (1928) und sein Café Zeman (1925– 1926), das inzwischen – um einige Meter versetzt – wieder aufgebaut wurde, sind heute zu besichtigen. Bedeutende Bauten finden sich auch in der Slowakei, u. a. ein großstädtisch gestaltetes Wohnhaus in Pressburg/Bratislava (Hviezdoslavovo námestie, 1935), die weithin bekannte Thermalbadanlage „Grüner Frosch“ in Trencianske Teplice (1937) oder das Erholungsheim „Morava“ (Tatranská Lomnica, 1931), das einen festen Platz in einer Reihe berühmter, funktionalistischer Sanatoriumsbauten der 1930er Jahre hat.

Seine Karriere begann Fuchs mit einem Studium an der Prager Akademie der Bildenden Künste bei Jan Kotera, in dessen Atelier er später auch arbeitete. 1922 ließ sich Fuchs dauerhaft in Brünn nieder, wo er ab 1923 als Angestellter des Stadtbauamtes tätig war. 1929 erschien eine erste Monografie von ihm im schweizerischen Basel, unmittelbar darauf stellte er Entwürfe in Stockholm, Wien und Berlin aus. Drei Jahre später war Fuchs in der legendären Ausstellung „The International Style“ des New Yorker Museum of Modern Art vertreten, die den Funktionalismus in die amerikanische Architektur-Szene einführte.

Dank seiner Tätigkeit erfuhr Bohuslav Fuchs schon zu Lebzeiten viel Anerkennung im Ausland, in seiner Heimat wurde der Funktionalismus seit Ende der 1940er Jahre als bourgeoise Entgleisung der verachteten Ersten Republik betrachtet, nur einzelne seiner Entwürfe konnte er noch realisieren. Ende der 1950er Jahre musste Fuchs auch seine Lehrtätigkeit aufgeben, setzte sich aber zeitlebens für die Bewahrung des Erbes des Funktionalismus in Brünn ein. Viele seiner Bauten sind heute in einem schlechten Zustand oder wurden unsensibel restauriert, das Interieur zerstört.

Bis zum 15. Januar 2018 porträtiert das Gerhart-Hauptmann-Haus Düsseldorf den Architekten. In der Ausstellung, die in der Galerie für Architektur in Brünn entwickelt und umgesetzt wurde, kommen zwölf tschechische und slowakische Architekten unserer Zeit zu Wort, welche ausgewählte funktionalistische Bauten von Bohuslav Fuchs kommentieren – beispielsweise das Café Zeman, das ikonische Hotel Avion, die monumentale Trauerhalle auf dem Brünner Zentralfriedhof oder das weitläufige Stadtbad Zábrdovice. Technische Dokumentationen und historische Fotografien werden ebenso gezeigt wie aktuelle Fotos vom heutigen Zustand der Bauten.

Unterstützt wurde das Ausstellungsprojekt durch die Stiftung für tschechische Architektur und die Stadt Brünn. Sie entstand in Kooperation mit dem Museum der Stadt Brünn und dem Tschechischen Fernsehen, ATEH lighting, Legia.

(KK)

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