Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1308.

Literatur und Kunst

Heimat, eine Frage

Das Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen und das Donauschwäbische Zentralmuseum Ulm stellen sie und stellen sich ihr

Was ist Heimat für Sie? fragt die Künstlerin und Sozialwissenschaftlerin Monika Drach Menschen, die heute in verschiedenen Teilen der historischen Region Ostpreußen leben. Die Antworten der Polen, Litauer und Russen werden im Rahmen eines transnationalen Projekts und einer Rauminstallation im Kulturzentrum Ostpreußen unter dem Titel „Grenzenloser Himmel über mir…“ vorgestellt (noch bis zum 24. Juli 2011). „Eine Videoinstallation läßt Wolken ziehen am besonders ausdrucksstarken – grenzenlosen – Himmel von der Weichselniederung über das Ermland bis nach Königsberg. Vier Filmemacher und eine Filmemacherin aus Polen, dem russischen Kaliningrad und Deutschland haben dazu ihre Kamera laufen lassen“, erläutert Monika Drach ihr Projekt.

An der Wand oberhalb der Video-Präsentationen findet man das Zitat des Königsberger Philosophen Immanuel Kant aus seiner „Kritik der praktischen Vernunft“ von 1788: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir.“ Auf der Internetseite „www.grenzenloser-himmel.de“ können während der Ausstellung die Entwicklung der fotografischen Heimat-Serien der Beteiligten sowie der Veränderungsprozeß der Installation im Kulturzentrum Ostpreußen im fränkischen Ellingen verfolgt werden.

Einen anderen künstlerischen Zugang zum Thema „Heimat“ präsentiert die Ausstellung „Mythos Heimat – Heimat im Mythos“ von Gert Fabritius im Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm. Sie zeigt Holzschnitte, Zeichnungen und Gemälde. Der aus einer siebenbürgischen Familie stammende Holzschneider und Maler (geboren 1940) ist fest in der europäischen Kunstlandschaft etabliert. Seine Aussiedlung 1977 bedingte einen biographischen Bruch. Seitdem lebt und arbeitet er im Südwesten Deutschlands.

Die Heimat-Problematik nimmt in Fabritius’ Arbeiten weiten Raum ein, da für ihn Künstler und Mensch, schöpferisches und persönliches Leben nicht zu trennen sind. Er verbindet mit „Heimat“ weniger die geographische Verortung als die Beheimatung in Kultur und Sprache, genauer die Verwurzelung in den humanistischen Kulturtraditionen des „alten Kontinents“ Europa. Der Humanismus überdauere die Zeit und überdache den Raum „wie der Mythos auch“, meint der Künstler. So nehme der Mythos auch seine gekappten siebenbürgischen Wurzeln wieder auf, die nun – befreit von aller räumlichen Verankerung – weiter wüchsen. „Im Mythos hat jede noch so ‚intransportable Heimat‘ ihren Platz“, so Gert Fabritius.

(KK)

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