Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1309.

Literatur und Kunst

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Auch Erde kann man dazu bringen, und wie, das wußte man in Schlesien besonders gut

Wenn man von Fayencen spricht, ist bekanntlich eine Keramik mit einem porösen roten oder ockerfarbenen Scherben gemeint. Dieser wird mit einer weißen Zinnglasur verziert und mit Muffelfarben oder Unterglasurfarben bemalt. Im arabischen Raum entstanden die ersten Produktionsstätten für Fayencen bereits im 9. Jahrhundert. Später entwickelten sich Fayencezentren in der italienischen Stadt Faenza, die der Keramik ihren Namen verlieh. Im oberschlesischen Proskau (heute Prószków in der Woiwodschaft Oppeln) wurde im Jahre 1764 die erste Fayencemanufaktur gegründet.

Die von Sammlern begehrten porzellanähnlichen keramischen Erzeugnisse, die im Rahmen der Sonderausstellung „Glanzstücke schlesischer Keramik“ im Haus Schlesien in Königswinter-Heisterbacherrott zu sehen waren, stammten größtenteils aus der Proskauer Manufaktur. Neben Exponaten aus den Beständen des Gastgeberhauses waren Ausstellungsstücke aus dem Oberschlesischen Landesmuseum Ratingen und aus dem Schlesischen Landesmuseum Troppau sowie von zahlreichen privaten Leihgebern ausgestellt. Erzeugnisse aus der Manufaktur in Glinitz (heute Glinica in der Woiwodschaft Schlesien) und dem von Carl von Dietrichstein gegründeten Betrieb in Mährisch-Weißkirchen (heute Hranice na Morave in Tschechien) ergänzten die Proskauer Fayencen-Schau.

Bei einem Rundgang durch die Ausstellung lernten die Besucher über informative Texttafeln viel Wissenswertes über kunsthistorische, politische und geographische Aspekte, die die drei Produktionsphasen der Proskauer Manufaktur in der Zeit von 1763 bis 1853 prägten. Es wurde dabei auch auf typische Dekore, Formen und Farben der Eßgeschirre und Walzenkrüge sowie der Terrinen und Kannen eingegangen. Auch wenn die Entwicklung in Proskau verschiedenen Einflüssen unterworfen war, wurde dennoch ein eigner Stil gepflegt. So etwa gab es häufig Blumenbouquets mit je einer großen Rosen- oder Nelkenblüte, die von Streublumen umgeben waren. Einzigartig war die Kartoffelblüte, die verstärkt bei Erzeugnissen der letzten Produktionsphase entdeckt werden kann. In dieser Zeit ging die Fayenceherstellung zurück, während die Konkurrenz des Porzellans immer stärker wurde.

In der Königswinterer Schau waren herausragende Exponate zu sehen, die die Vielfalt der schlesischen Keramik unterstrichen. Zu den keramischen „Glanzstücken“ gehörten Potpourrivasen, Deckeldosen in Tier- und Gemüseform, dreieckige Schalen mit floralem Dekor sowie Walzenkrüge mit der Darstellung eines tanzenden Paares oder eines Mannes mit Krug und Pfeife. Kardinal Meisner hatte ein Weihwasserbecken aus der Glinitzer Manufaktur zur Verfügung gestellt das die heilige Veronika zeigt.

Die Planung der Ausstellung erfolgte übrigens in Zusammenarbeit mit dem Oberschlesischen Landesmuseum von Ratingen-Hösel. Aufgrund der erfolgreichen Kooperation mit zahlreichen Partner-Institutionen und Leihgebern im In- und Ausland sowie durch die eigenen Bestände haben die beiden schlesischen Museen aus Deutschland es erstmals geschafft, eine vielseitige und umfangreiche Präsentation mit seltenen Sammlerstücken zusammenzutragen.

(KK)

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