Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1309.

Literatur und Kunst

Die Wurzeln des Pruth im Rhein

Die Rose-Ausländer-Stiftung verwaltet das Vermächtnis der großen Heimatlosen, die daheim war im „Mutterland Wort“

Als ich im Jahr 1988 den Verleger und Literaturhistoriker Helmut Braun zum ersten Mal besuchte, befanden sich in seinem Büro zwei riesige Koffer mit Manuskripten, Briefen, Photos. Sie hatten der Dichterin Rose Ausländer gehört, die kurz zuvor gestorben war. Nach ihrem Wunsch wurde Helmut Braun, der Herausgeber ihrer Werke, Legatar ihres literarischen Nachlasses.

Er hat daraufhin die Rose-Ausländer-Stiftung gegründet. Unter seiner Leitung entfaltet sie eine umfassende Tätigkeit für die Erforschung und Verbreitung der Dichtung dieser großen aus der Bukowina stammenden deutsch-jüdischen Schriftstellerin. Dank dieser Arbeit überstiegen die Auflagen von Rose Ausländers Büchern eine Million Exemplare; 600000 erschienen nach dem Tod der Autorin. Jahr für Jahr organisiert die Stiftung zahlreiche Vorträge, Lesungen, Aufführungen, Ausstellungen. Sie besitzt ein reiches Archiv mit Urkunden, Faksimiles, Briefen, seltenen Ausgaben. Aus diesem Schatz stammt ein wichtiger Teil des Inhalts mehrerer Bände von Rose Ausländers Korrespondenz mit zeitgenössischen Persönlichkeiten.

Gleichzeitig hat die Stiftung auch andere Aspekte der bukowinischen Literatur und der deutschsprachigen Literatur überhaupt in ihren Wirkungsbereich aufgenommen. Auf der Bühne des Freien Werkstatt-Theaters Köln stellt sie unter dem Titel „Die Sonne umarmen“ einen Zyklus literarischer Porträts deutschsprachiger Dichterinnen vor, darunter die Nobelpreisträgerin Nelly Sachs, Ingeborg Bachmann, Ilse Aichinger, Marie-Luise Kaschnitz, Hroswith von Gandersheim, Ulrike Draesner, Frederike Frei, Anne Dorn.

Der Roman „Die Geschichte eines Mordes“ von Ernst David Kaiser wurde in mehreren Lesungen von Ingrid Bacher und Helmut Braun vorgestellt. Auf der internationalen Konferenz der Konrad-Adenauer-Stiftung im siebenbürgischen Hermannstadt/Sibiu zum Thema „Europa im Wandel – Literatur, Werte und europäische Identität“ hat Helmut Braun  den Vortrag „Niemand zeugt für die Zeugen. Literarische Zeugenschaft im rumänischen Frühwerk Paul Celans und Rose Ausländers“ gehalten. Darüber hinaus hat er seine Forschungen über die deutsch-rumänischen schriftstellerischen Beziehungen in Czernowitz, Bukarest und Paris in zahlreichen Vorträgen bekannt gemacht. Interessante Studienreisen in die Bukowina wurden organisiert. Und das sind nur einige Beispiele für eine intensive Tätigkeit.

Im Jahr 2011 feiert die Stiftung Rose Ausländers 110. Geburtstag. In der Stadtbibliothek Langenfeld erzählte Helmut Braun aus seiner dreizehnjährigen Zusammenarbeit mit der Poetin, stellte ihren Leben und Werk vor und las ihre Gedichte. Auf der Leipziger Buchmesse las Helmut Braun aus dem „Rose-Ausländer- Poesiealbum“, einer Neuerscheinung in einer Reihe des Märkischen Verlags Wilhelmshorst. Im Mai fand die Premiere des Dokumentarfilms „Der Traum lebt mein Leben zu Ende“ über Leben und Werk der Dichterin statt. Wie in anderen Jahren werden die Bewunderer von Rose Ausländer im Juli zu einem Spaziergang auf ihren Spuren in Düsseldorf eingeladen. In Temeswar wird im Oktober die Ausstellung „Mutterland Wort. Rose Ausländer 1901–1988“ eröffnet. Im November wird Helmut Braun in Bukarest und Jassy Vorträge über Rose Ausländer und Edgar Hilsenrath halten.

Durch ihre breite, thematisch vielfältige Palette spiegeln die Programme der Rose-Ausländer-Stiftung den Geist einer Lyrikerin, deren Wurzeln aus der Bukowina den fruchtbaren Boden im „Mutterland Wort“ gefunden haben:

In den Rhein
werf ich die ausgegrabenen
Wurzeln des Pruth
da schwimmt mein Haus
die Welt auf dem Dach.

Avram Rotenberg (KK)

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