Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1309.

Literatur und Kunst

Reflektieren, daß es schillert

„Gloomy Reflections“ von Era Freidzon im Rahmen der Jüdischen Kulturtage in Düsseldorf

Bei der Ausstellung von Era Freidzon unter dem Titel „Gloomy Reflections“ handelte es sich um die Auftaktveranstaltung der Jüdischen Kulturtage in Nordrhein-Westfalen 2011 in Dortmund.

Era Freidzon wird 1960 in Chisinau/Moldavien, damals UdSSR, geboren, absolviert von 1975 bis 1979 ein Kunststudium an der Kunstfachhochschule I. E. Repin in Chisinau in den Fächern Malerei, Design, Kunstpädagogik und Kunstgeschichte und von 1979 bis 1985 ein Kunststudium an der Staatsakademie für Malerei, Bildhauerei und Baukunst in St. Petersburg in den Fächern Malerei, Grafik, Buchkunst und Kunstgeschichte. Seit l985 ist sie als freischaffende Künstlerin und Buchillustratorin tätig und lebt und arbeitet seit 1992 in Deutschland.

Era Freidzon stellte diese Ausstellung unter die Überschrift „Gloomy Reflections“, was man übersetzen könnte mit dunkle, trübe, düstere Reflexionen, Spiegelungen, Betrachtungen, aber auch mit melancholischen Überlegungen oder hoffnungslosem Nachdenken. Era Freidzons Arbeiten sind verschlüsselte, malerische Befragungen der Wirklichkeit auf der Suche nach gewachsener Geborgenheit, die man auch Heimat nennt, innere Heimat, wie auch der globale Mensch sie braucht. Ganz deutlich wird das in den Bildern auf Leinwänden, die aus farbig gemusterten Stoffen, aus Decken und Tüchern bestehen, die sie mit einem farblosen Leimgrund überzieht, um darauf malen zu können. Mit dem Malgrund, dessen vorgegebene Muster in weiten Teilen erhalten bleiben, verbinden sich inhaltlich die gemalten Menschen und Gegenstände, die sich im Laufe der Lebenszeit verändert haben oder gar nicht mehr existieren, die aber einen starken Vergangenheits- und Erinnerungsbezug haben.

Era Freidzon schreibt zu dem Thema dieser Ausstellung: „Mich beschäftigt … eine Zeitreise auf den Spuren der Erinnerungen und Sehnsüchte, ich versuche, den Sinn zu begreifen (wohl wissend, daß es mir nicht gelingen wird).“

Die Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur und eine zurückgenommene Farbigkeit, die jedoch in sich stark differenziert ist, sind in ihren Bildern dominant. Era Freidzons gestische Malweise erspürt und baut die gedanklichen und bildhaften Assoziationen auf der Fläche mit spontanen, jedoch gesteuerten Pinselstrichen. Die Gestalten gewinnen magisch-poetische Ausdruckskraft, die durch sich widersprechende Größenverhältnisse noch gesteigert wird. Ein Grundton verhaltener Melancholie beherrscht die Bildwelten. Es sind bildnerisch sichtbar gemachte Gedanken.

Die Ausstellungseröffnung war außerordentlich gut besucht, und es ergaben sich viele interessante Gespräche über alle Altersklassen hinweg über Inhalt und Anliegen der ausgestellten Werke. Einige Ausstellungsbesucher sahen in den Bildern visionäre Vorahnungen der Natur- und Atomkatastrophe in Japan und zeigten sich betroffen.

Ulla Dretzler (KK)
 

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