Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1309.

Literatur und Kunst

Die vielen Fragen nach der Frage

Was haben sie miteinander zu tun, Heimat und moderne Kunst?
Allerhand, Heimatliches wie Modernes

Auf Anfrage einiger Leser, die sich mit der knappen Berichterstattung in unserem letzten Heft („Heimat, eine Frage“, S. 22) nicht begnügen mochten, bringen wir eine ausführliche Darstellung des Projekts, das im Kulturzentrum Ellingen und darüber hinaus auch im Internet für Aufsehen sorgt.

„Grenzenloser Himmel über uns“ – einen ganz neuen Weg eines Kunstprojektes präsentiert das Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen. Die Ausstellung „lebt“ und wird ständig erweitert. „Mit dieser Sonderausstellung wollen wir einen ganz neuen, einen ganz modernen Weg gehen“, sagte der Direktor des Kulturzentrums Ostpreußen bei der Eröffnung eines transnationalen Projektes, das in den Räumen des Ellinger Barockschlosses vorgestellt wird. Seit 2009 laufen nach Wolfgang Freybergs Worten die Vorbereitungen für die direkte Übertragung der mehrteiligen Rauminstallation auf die Internetseite www.grenzenloser-himmel.de.

„Sie sind nur einen Mausklick weit weg“, betonte Freyberg, der neben der Sozialwissenschaftlerin und Künstlerin Monika Drach auch Klaus Weigelt, den Vorsitzenden der Stadtgemeinschaft Königsberg und Präsidenten des OKR, Rainer Claaßen vom Bund Junges Ostpreußen und Heidi Bauer, die Vorsitzende der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen in Mittelfranken, begrüßen konnte. Zudem dankte der Museumsdirektor dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie dem Förderverein Kulturzentrum Ostpreußen für die Unterstützung der Ausstellung.

Zdenék Ehrenberger aus Schwabach umrahmte mit selbstkomponierten Stücken auf seiner Gitarre die Einführung zur Ausstellung von Monika Drach. Die freischaffende Künstlerin ging dabei auf die verschiedenen Teile ihrer Rauminstallationen ein, die sie selbst als spannendes Projekt schildert.

Der ostpreußische Himmel wirkt, wie vielfach beschrieben, besonders auf den Betrachter und zeigt sich ausdrucksstark im Wolkenbild von der Weichselniederung bis über das Ermland nach Königsberg. Vom „bestirnten Himmel über mir und dem moralischen Gesetz in mir“ sprach schon der 1724 in Königsberg geborene Philosoph Immanuel Kant. Sechs Menschen aus Frankfurt, Königsberg und Warlack sowie Glottau und Guttstadt in Polen haben das Filmmaterial für die Videoinstallation erarbeitet.

Unter dem Titel „more on Heimat“ haben sich Nachkommen der zweiten Generation von Heimatvertriebenen in einem Internetforum getroffen. Sie leben in Deutschland, Kanada und Australien. Ihre Eltern stammen aus ehemals ostdeutschen Gebieten. Quer über den Globus entstand ein lebhafter Erfahrungsaustausch über die alte Heimat der Eltern, über eigene Migrationserfahrungen und darüber, was Heimat heute für sie bedeutet. Drach verarbeitete den Internetaustausch in einer interaktiven Rauminstallation mit einem drehbaren Tisch. Die Besucher können sich an den Tisch setzen und werden auf diese Weise Teil der Forumrunde. So können die Texttafeln mit Auszügen aus den Gesprächen immer wieder neu zusammengestellt werden. Zudem hat eine Australierin in einer Installation ihre Verbindungen zu Deutschland mit den Luftwurzeln dieser Pflanzen als Vernetzung im Raum verbildlicht.

„Was bedeutet Heimat für Sie?“ fragt Monika Drach in ihrem gleichnamigen Projekt elf Menschen, die im nördlichen Polen, der heute russischen Region um Königsberg und dem südwestlichen Litauen, somit in den ehemals ostpreußischen Regionen, leben. Nähe und Distanz, Heim und Grenzzaun werden von ihnen im (Zwie-)Licht der globalen Entwicklung betrachtet. Alle drei Wochen schicken sie neue Heimat-Bilder nach Ellingen, die in die dortige Fotoinstallation integriert werden. Dadurch befinden sich die Ausstellungsräume in ständiger Veränderung. Die fotografischen Heimat-Serien der Mitwirkenden aus Polen, Rußland und Litauen werden laufend erweitert und gelangen in einen thematischen Fluß: „Work in progress“.

In die Ausstellung, die im Kulturzentrum Ostpreußen bis zum 24. Juli 2011 zu sehen ist, kann man sich unter www.grenzenloser-himmel.de einklicken. Dort besteht auch die Möglichkeit, für einen Fotostream mit dem Titel „Und was ist Ihr Bild von Heimat“ ein bis drei Fotos (ca. 700 x 500 Pixel) per Mail zu schicken an die Adresse grenzenloser-himmel@gmx.de.

(KK)
 

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