Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1311.

Literatur und Kunst

„Beutestreben“ in künstlerischer Absicht

Ellingen: Meisterwerke der Jagdmalerei – in der Hauptrolle
die östliche Landschaft

Vielen, die das alte Ostpreußen noch gekannt haben, gilt es als ein Land der Pferde- und Viehzucht. Ebenso sind ihnen unberührte Naturlandschaften in Erinnerung als Hort seltener Wildtiere, wie man sie in vielen anderen Provinzen bereits vor dem Zweiten Weltkrieg (fast) gar nicht mehr antreffen konnte. Diesem Paradies widmet sich die Ausstellung „Elch, Hirsch & Co. – Meisterwerke der Jagdmalerei“ des Kulturzentrums Ostpreußen Ellingen bis zum 4. Dezember.

Es ist die Jagdmalerei, die dem Ausstellungsbesucher mit den Augen des Jägers – denn die meisten Jagdmaler waren aktive Jäger – Einblicke in die Wildbahn gewährt. Der Jagdmaler vereint nicht nur die Genres der Landschafts- und Tiermalerei zu einem Gesamtkunstwerk. Das wäre ihm zu wenig. Seine durch das Beutestreben in unzähligen Stunden des Revieraufenthalts geschärften Sinne vermögen es, feinste Stimmungen und Spannungen zu erfassen. Und einem Meister seines Fachs gelingt es, diese Wechselwirkung zwischen Umwelt und Fauna ohne weiteren Erklärungsbedarf in seinen Gemälden darzustellen.

Ostpreußen war ein Magnet für Jagdmaler: Die dünenreiche Kurische Nehrung an der Ostsee war ebenso Heimat der Elche wie der Elchwald am gegenüberliegenden Haffufer, wo Seeadler und Schwarzstorch nisteten. Die Rominter Heide als Jagdrevier der Hohenzollern barg Bestände kapitalster Rothirsche. Hirsche, Schwarzwild und Rehe zogen ihre Fährte auch in der Johannisburger Heide. Im Winter fielen gelegentlich Wölfe aus Litauen ein. Die seenreiche Landschaft Masurens zog Schwäne, Wildgänse und Wildenten an.

All das und mehr haben namhafte Künstler auf die Leinwand gebannt, allen voran der Ostpreuße Richard Friese, der Lieblingsjagdmaler Kaiser Wilhelms II. In Rominten trat der Niedersachse Richard Löbenberg ab den 1920er Jahren in seine Fußstapfen, während der Exilrusse Dimitrij von Prokofieff den Elchwald bevorzugte. Elche bewunderte auch der Thüringer Hans Kallmeyer. Auch zwei ganz Große der Jagdmalerei sind in der Ausstellung vertreten: der Berliner Fritz Laube und der Pommer Manfred Schatz. Eines vereint sie alle, die Liebe zur Natur Ostpreußens. Das kommt in ihren Werken deutlich zum Ausdruck.

Dem Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg, Wellners Jagdkunstgalerie in Bad Münder sowie privaten Sammlern dankt das Kulturzentrum Ostpreußen in besonderem Maß für die Ausleihe der Exponate.       

(KK)
 

 

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