Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1313.

Literatur und Kunst

Reizvolles Mit- und Gegeneinander

Ingo Glass und ungarndeutsche Trachten im HDO München

Für den deutsch-rumänischen Bildhauer und Ausstellungsgestalter Ingo Glass gilt eine gute Begegnung soviel wie ein Sonnenstrahl. Das schrieb der Künstler im Vorspann des Kataloges zu seiner Ausstellung „Begegnungen“ im Münchner Haus des Deutschen Ostens. In der Schau werden Treffen des Künstlers mit Kulturschaffenden und Politikern in den Fokus gerückt. Erwähnung finden u.a. Lehrer und Weggefährten wie Joseph Beuys, Niki de Saint Phalle, Daniel Spoerri, Günther Uecker, Günter Grass, Max Bill und Ruprecht Geiger.

Zur Person: Ingo Glass wurde 1941 in Lugosch (Lugoj) in Rumänien geboren. Er studierte Bildhauerei und Kunstgeschichte an der Akademie der bildenden Künste in Klausenburg (Cluj) als Meisterschüler bei Artur Vetro. Seit 1979 lebt Glass in München, ist Kustos des Kunstraumes Üblacker-Häusl, seit 1983 als Gestalter der Ausstellungen des Kulturreferats der Landeshauptstadt München sowie der Künstlerwerkstatt tätig und wird international als Bildhauer geschätzt. Der Künstler kann auf zahlreiche Einzelausstellungen in Deutschland, Frankreich, Kanada, Rumänien, Ungarn und den USA zurückblicken. Darüber hinaus sind Arbeiten von Ingo Glass im öffentlichen Raum in Deutschland, Israel, Rumänien und Ungarn zu sehen. Zu den jüngsten Ehrungen gehört jene aus dem Sommer 2011, als Ingo Glass im Rahmen seiner Ausstellung im Generalkonsulat von Rumänien in München das Ritterkreuz des Verdienstordens der Republik Ungarn verliehen bekommen hat.

Bei der Vernissage der Ausstellung „Begegnungen“ im HDO München würdigte der Laudator Staatsminister a.D. Dr. Thomas Goppel insbesondere die Offenheit des Künstlers für die Vielfalt der menschlichen Begegnungen. Diese decken ein breites Spektrum ab – beginnend mit dem Kontakt des Säuglings zur Mutter über Treffen mit Lehrern und Förderern bis hin zu Dialogen mit Freunden, Kulturschaffenden und künstlerischen Weggefährten.

Die biographische Ausstellung enthält sowohl eigene Werke des Künstlers als auch Eindrücke von den Begegnungen mit vielen Menschen, die durch Fotos, Kunstwerke, Briefe, Widmungen und Auszeichnungen dokumentiert werden. Immer wird eine Brücke zu Bildern oder Schriftstücken gespannt, welche die jeweilige Interaktion zwischen Künstler und Weggefährten unterstreicht oder deren Auswirkung hervorhebt. So etwa sind in der Ausstellung eine Zeichnung von Niki de St. Phalle, eine Collage von Ruprecht Geiger, ein Objekt mit Nagel von Günther Uecker und eine Zeichnung von Günter Grass zu seinem autobiographischen Roman „Beim Häuten der Zwiebel“ zu sehen.

Die „Begegnungen“ sind im HDO München bis zum 4. November zu besichtigen.

Der Ausstellungsgestalter Helmut Heil aus Fünfkirchen (Pécs) in Ungarn betonte im Haus des Deutschen Ostens in München bei der Vernissage der Ausstellung „Ungarndeutsche Trachtenbilder“: „Tracht ist Tradition und Brauchtum und stiftet Identität“. Brigitte Steinert, die stellvertretende Direktorin des HDO, verwies auf die „Sprache“ des traditionellen Gewandes, die heute bei der modernen Kleidung und insbesondere im städtischen Lebensraum weitgehend verschwunden ist. So verrät heutige Kleidung – im Gegensatz zur früheren Tracht – recht wenig über die Herkunft einer Person und deren Aufgaben sowie über den aktuellen Anlaß der jeweiligen Kleiderwahl und eigentlich auch nichts über den Familienstand.

Bei einem Rundgang durch die Ausstellung können sich die Besucher von der Vielfalt der ungarndeutschen Trachten überzeugen. Zahlreiche Farbfotografien vermitteln Eindrücke, die an die Zeit der Großeltern erinnern. Eine Abordnung der Ungarndeutschen Trachtengruppe aus Geretsried zeigte bei der Eröffnungsveranstaltung ihre Tracht, bestehend aus fein plissierten Röcken und gestickten Tüchern aus 100 Jahre alten Stoffen. Daß Brauchtum eng mit Musik verbunden ist, demonstrierten die Original Banater Dorfmusikanten, die zum Tanz aufspielten und Jung und Alt zu Polka und Walzer animierten.

Fest steht, daß die Pflege, Erhaltung und Dokumentation der Trachten nach wie vor ein wichtiger Auftrag für Vereine, Heimatpfleger und Volkskundler ist. Die Trachtenbilder-Ausstellung ist bis zum 31. Januar 2012 im Haus des Deutschen Ostens in München zu besichtigen.

D. G. (KK)

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