Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1313.

Literatur und Kunst

Mir losse der Dom – auch aus Schlesien sein

In Kölle steht er nach wie vor, seinen Weiterbau aber betrieb einst
Ernst Friedrich Zwirner aus Jakobswalde, Oberschlesien

Die Apollinariskirche in Remagen, die Burg Arenfels, das Schloß Moyland und der Mäuseturm in Bingen sind nur einige der zahlreichen Bauten, die die Handschrift des schlesischen Baumeisters Ernst Friedrich Zwirner tragen. Das herausragende Referenzobjekt ist jedoch der Kölner Dom, dessen Fertigstellung nach einem jahrhundertelangen Stillstand durch den Visionär Zwirner vorangetrieben wurde.

Haus Schlesien in Königswinter hat den 150. Todestag von Zwirner zum Anlaß genommen, in einer Sonderschau den Lebensweg des Baumeisters sowie sein Gesamtwerk in den historischen und kunstgeschichtlichen Kontext zu stellen.

Ernst Friedrich Zwirner wurde im Jahre 1802 in Jakobswalde/Oberschlesien als Sohn eines Hütteninspektors geboren. Er besuchte die Bauschule in Breslau und studierte an der Berliner Bauakademie. Zu den berühmtesten seiner Lehrmeister gehörte Karl Friedrich Schinkel, der den jungen Zwirner 1833 mit der Leitung der Domrestaurierung in Köln beauftragte. Neun Jahre lang hat Zwirner darum gerungen, die Arbeiten am Dom fortsetzen zu können. Im Januar 1842 beschloß Friedrich Wilhelm IV. den Weiterbau des Domes. Die Vollendung dieses Projektes erlebte der Architekt allerdings nicht mehr, er starb 1861 im Alter von 59 Jahren in Köln.

In der Ausstellung sind zahlreiche Dokumente, Originalgrafiken, Pläne und Stahlstiche aus dem Dombauarchiv, dem Kölnischen Stadtmuseum, dem Oberschlesischen Landesmuseum und aus weiteren Institutionen zu sehen, die Bezüge zu den einzelnen Etappen des Dombaus und zu anderen Bauwerken enthalten.

Zwirner setzte sich für eine gut funktionierende Dombauhütte mit qualifizierten Arbeitern ein, denn er hatte erkannt, daß er nur mit einem Team begabter und gut ausgebildeter Steinmetze seine ehrgeizigen Pläne erfüllen konnte. Die technischen Errungenschaften des beginnenden Industriezeitalters waren dem Baumeister durchaus vertraut. So etwa ist der aus Stahl gefertigte Dachstuhl – statt der damals üblichen Eichenholzkonstruktionen – ein Beispiel für seine Offenheit gegenüber neuen Entwicklungen. Der Dachstuhl blieb übrigens trotz vieler Brandbombentreffer während des Zweiten Weltkrieges nahezu unbeschädigt.

Der Ausbau des gesamten Kirchenschiffes mit Dachreitern sowie die Erstellung des Querschiffes mit Süd- und Nordportal waren weitere Schwerpunkte, denen sich Zwirner ebenso leidenschaftlich widmete wie etwa dem Vierungsturm. Der gotische Baustil wurde nicht in Frage gestellt, die ursprünglichen Pläne aus dem Mittelalter wurden weitgehend berücksichtigt.

In der Ausstellung finden unter dem Motto „Rheinromantik“ weitere bekannte Bauwerke Erwähnung, darunter Gotteshäuser wie die frühere Synagoge in der Glockengasse in Köln oder die reformierte Kirche in Wuppertal-Ronsdorf und die Apollinariskirche in Remagen. Letztere wurde zwischen 1839 und 1843 als Wallfahrtskirche auf dem Grundriß eines griechischen Kreuzes mit vier gleich langen Schiffen gebaut. Auch wenn Zwirner hier einen historisierenden Baustil pflegte, griff er auf neuartige Materialien wie etwa Gußeisen zurück. Erstmals werden auch die über lange Zeit als verschollen geltenden Vorentwürfe Zwirners zu einem Schloßbau an der Stelle der alten Propstei im Areal der Apollinariskirche gezeigt. Das Projekt wurde nicht realisiert.

Die repräsentativen Bauwerke werden in der Sonderschau anhand historischer Materialien vorgestellt. Ergänzt werden die Bild- und Texttafeln durch zeitgenössische Fotografien, die in jüngster Zeit erstellt wurden. In Vitrinen sind Skulpturen und Porzellanvasen zu sehen, die thematisch zu Zwirner, dem Kölner Dom und anderen Bauwerken passen.

Die Zwirner-Ausstellung ist im Haus Schlesien von Königswinter bis zum 5. Februar 2012 zu besichtigen. Angeboten wird in Zusammenarbeit mit den Volkshochschulen Siebengebirge und Bonn auch ein interessantes Rahmenprogramm.

Dieter Göllner (KK)

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