Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1314.

Literatur und Kunst

Grande Dame auf böhmisch

Zum Tod von Barbara König

In Dießen am Ammersee verstarb am 22. Oktober die aus Reichenberg im Sudetenland stammende Schriftstellerin Barbara König (geboren 1925).

Sie legte 1944 in Reichenberg das Abitur ab. Wegen ihres Liebesverhältnisses zu einem ukrainischen Arzt wurde sie 1944/45 von der Geheimen Staatspolizei in Schutzhaft genommen, konnte aber zum Kriegsende nach Bayern fliehen, wo sie als Journalistin zunächst für die Deutsche Nachrichtenagentur und für die am 17. Oktober 1945 von der amerikanischen Besatzungsmacht in München gegründete „Neue Zeitung“ arbeitete.

Schon 1949, zwei Jahre nach der Gründung, wurde sie Mitglied in der Autorenvereinigung Gruppe 47, die von dem aus Pommern stammenden Erzähler Hans Werner Richter (1908–1993) geleitet wurde. In diesem Literaturkreis, der auf die Ausgestaltung der westdeutschen Nachkriegsliteratur großen Einfluß hatte, war sie neben Ilse Aichinger (geboren 1921) und Ingeborg Bachmann (1926–1973) eine der wenigen Frauen. Mit einem Stipendium kam sie 1950 in die Vereinigten Staaten, wo sie Zeitungswissenschaft und Creative Writing studierte, 1951/53 arbeitete sie als Redakteurin bei der Zeitschrift „kontakt“.

Seit 1958 lebte Barbara König als freie Schriftstellerin, versah 1975 eine Gastprofessur in Texas, war Mitglied im PEN-Zentrum, in der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur, der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste.

Ihre beiden ersten Bücher, die Erzählung „Das Kind und sein Schatten“ (1958) und der Roman „Kies“ (1961), machten sie bekannt, der Durchbruch kam mit dem Roman „Die Personenperson“ (1965), der von Karl Krolow und Heinrich Vormweg lobend rezensiert wurde und ihr zwei Literaturpreise einbrachte. Auch in ihrem Roman „Schöner Tag, dieser 13.“ (1973) beschrieb sie einen Selbstfindungsprozeß. Neben weiteren Romanen, Erzählungen und Essays hat sie fünf Hörspiele geschrieben, darunter „Böhmische Gänse“ (1970) und, im Alter von 72 Jahren, ein Erinnerungsbuch „Hans Werner Richter. Notizen einer Freundschaft“ (1997).

J. B. B. (KK)

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