Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1314.

Literatur und Kunst

„Die Erde ist mir Heimat nicht geworden“

Gedenken an Schriftsteller, die nichts mehr halten konnte

Die Interkulturelle Woche Köln feierte in diesem Jahr ihr 25jähriges Jubiläum. Dieser interkulturelle Dialog soll zum demokratischen Zusammenwachsen Europas beitragen, zum gegenseitigen Kennenlernen, das die Akzeptanz und Toleranz für ein gleichberechtigtes Miteinander voller Kraft und Vielfalt fördert.

Die diesjährige internationale Vorlesungsreihe galt unter dem Motto „Die Erde ist mir Heimat nicht geworden“ dem Thema Freitod von Schriftstellern in vielen Ländern. Trotz ihres tragischen Schicksals haben diese Menschen mit ihren seelischen Ausnahmezuständen die Weltliteratur mit extremen Erfahrungen bereichert und die Sensibilität der Leserschaft für abgründige Erlebnisse erhöht.

Die mit ihren Texten vorgestellten Autoren und die Erläuterungen dazu boten auch ein beredtes Beispiel für die leidvolle Erfahrung des Heimatverlustes im näheren Sinne der Geburtsheimat und dann im weiteren Sinne der Erde und des Erdenlebens als Heimat der Menschheit.

Dabei kamen nicht nur weltberühmte Schriftsteller zu Wort wie Sylvia Plath, Sergej Jessenin, Wladimir Majakowski und Marina Zwetajewa, sondern auch weniger bekannte wie der serbische Autor Branko Miljkowic und die Kronstädterin/Bukaresterin Anemone Latzina (1942–1993), die Pilar Baumeister aus Spanien, die Leiterin der Veranstaltung, in ihre Anthologie „Wir schreiben Freitod. Schriftstellersuizide aus vier Jahrhunderten“, Frankfurt am Main 2010, aufgenommen hat, und Georg Hoprich (1938–1969), der tragisch am sozialistischen System gescheiterte Lyriker aus Siebenbürgen.

Die sieben vorgetragenen und mit sozialhistorischem und biographischem Hintergrund erläuterten Gedichte aus dem einzigen Lyrikband von Georg Hoprich, „Gedichte“, 1983 im Kriterion-Verlag Bukarest unter erheblichen Risiken von Stefan Sienerth herausgebracht, fanden großen Anklang. Anne Jüssen, die Sprecherin der Kölner Filiale des Verbandes der Schriftsteller, gemeinsam mit dem Kulturamt der Stadt Köln Mitveranstalter dieser Kulturwoche, bezeichnete die Gedichte Georg Hoprichs als einige der schönsten und ergreifendsten, die hier vorgetragen wurden.

Hier, das war das Theater Metropol, das an zwei Abenden jeweils drei Autoren ihre Landsleute vorstellen ließ: Pilar Baumeister unter anderen die englischsprachige Autorin Sylvia Plath, Hussein Habasch den Kurden Schkoye Hesen und Isabel Lipthay aus Chile die spanischsprachige Autorin Violeta Para und andere. Am Tag darauf kamen zum Vortrag von Tatjana Kuschtewskaja Sergej Jessenin, Wladimir Majakowski und Marina Zwetajewa. Anemone Latzina und Georg Hoprich wurden von Ingmar Brantsch präsentiert und der Serbe Branko Miljkowic von seiner bundesdeutschen Landsmännin Dragica Schröder.

Die anschließende Diskussion zeugte vom regen Interesse und der großen Anteilnahme des Publikums, das diese einmalige Gelegenheit nutzte, detailreiche Auskünfte einzuholen.

Ingmar Brantsch (KK)

«

»