Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1316.

Literatur und Kunst

Fachmann für Fachwerk

Zeichnungen von Ludwig Löwe im Haus Schlesien

Wenn von den Besonderheiten schlesischer Holzbauten wie etwa Weber- und Bauernhäuser oder Kirchen aus den schlesischen Gebirgs- und Vorgebirgsregionen die Rede ist, kommt auf jeden Fall das Buch des städtischen Baurats Ludwig Löwe (1901 London – 1980 Freilassing) zur Sprache. Der im Jahre 1969 in Düsseldorf im Werner-Verlag erschienene Band „Schlesische Holzbauten“ ist zwar vergriffen, kann jedoch noch antiquarisch im Haus Schlesien erworben werden.

Das Buch liegt der Sonderausstellung zugrunde, die in Königswinter-Heisterbacherrott bis zum 19. Februar 2012 geöffnet ist. Bei der Betrachtung der Zeichnungen ist festzustellen, daß Hofbauden aus dem Riesengebirge, Kobelhäuser aus dem Kreis Hirschberg, eine evangelische Dorfkirche aus dem Kreis Hoyerswerda oder die seit 2001 zum Weltkulturerbe zählenden Friedenskirchen in Schweidnitz und Jauer trotz der Detailunterschiede in der Bauweise erkennbare Parallelen aufweisen.

Ludwig Löwe studierte an der Technischen Hochschule in Berlin Architektur und schloß seine Ausbildung zum Regierungsbaumeister bei der Preußischen Bau- und Finanzdirektion ab. Er erhielt im Jahre 1930 die Schinkelplakette des Architektur- und Ingenieurvereins in Berlin für den Entwurf einer Kuranlage. Er war im Vorstand des Preußischen Staatshochbauamtes in Hirschberg tätig und u.a. für Denkmalschutz zuständig.

Löwe hat sich bereits seit dem Ende der 1930er Jahre mit der Dokumentation der Holzbauweise in Schlesien auseinandergesetzt. Während seiner Dienstzeit stellte er fest, daß den mit Holz gebauten Weber- und Bauernhäusern in den schlesischen Gebirgs- und Vorgebirgsregionen aus denkmalpflegerischer Sicht kaum Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Um dem entgegenzuwirken, fotografierte er die interessantesten Bauten und fertigte Zeichnungen an.

Ab 1939 war Löwe als Regierungsbaurat für denkmalpflegerische Baumaßnahmen zuständig und betreute die Restaurierung zahlreicher Bauwerke rund um Hirschberg. So hatte er ausreichend Gelegenheit, Bauern- und Weberhäuser, aber auch Betkirchen und Bauden in Grüssau, Landeshut, Liebental, Löwenberg und Hirschberg zu dokumentieren. Sein Vorhaben, eine Publikation über die Holzbauten der Region zu veröffentlichen, konnte Löwe kriegsbedingt zu jenem Zeitpunkt nicht realisieren. Erst viele Jahre später, nachdem er mit seiner aus Hirschberg vertriebenen Familie in Bayern und später in Köln ansässig wurde, nahm er die Idee des Buches wieder auf. Da bis auf wenige Zeichnungen und Fotografien, die Löwes Ehefrau mit auf die Flucht nehmen konnte, das vor dem Krieg gesammelte Material verlorengegangen ist, fertigte der Ruheständler Studien nach historischen Fotografien.

Eine Auswahl dieser insgesamt rund 150 Zeichnungen schlesischer Holzbauten sind im Eichendorffsaal von Königswinter zu sehen. Löwe differenzierte in seiner Arbeit vier Regionen: das Glatzer Land, den Landeshuter Kamm und das Waldenburger Bergland, das Bobertal und schließlich das Neißetal. Jede Landschaft in der Ausstellung ist mit typischen Bauten vertreten. So herrscht in der Grafschaft Glatz die Schrotholzbauweise vor, während in den westlicher gelegenen Regionen des Waldenburger Berglandes und des Riesengebirges Fachwerkhäuser überwiegen. Eine Mischform beider Bauweisen stellt das Umgebindehaus dar, das im Neißetal eine ganz eigene Gestaltung zeigt. Berücksichtigung finden auch die im Riesengebirge verbreiteten Bethauskirchen in Fachwerkbauweise aus der friderizianischen Zeit.

(KK)

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