Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1216.

Malend die Verhältnisse zum Tanzen bringen

Nikolaj Fedkovic zum 60. Geburtstag

„Nikolaj Fedkovic gehört zu den wenigen Künstlern, die aus der gegenwärtigen Kunstszene als originelle Einzelgänger herausragen.“ Mit dieser Erkenntnis beginnt zu Recht die Einladung, mit der der Galerist Herbert Reich die Ausstellung des slowakischen Malers mit Zipser Vorfahren zu dessen 60. Geburtstag ankündigt. Retrospektiven zumGeburtstag finden auch in Kaschau (Kosice) im Museum Voitech Löffler und in Preßburg (Bratislava) in der Galerie Excelen statt.

Fedkovic wurde 1945 im Karpatenstädtchen Uzhorod geboren, studierte u.a. an der Kunstgewerbehochschule und an der Kunstakademie zu Prag, der ehemaligen Surrealisten-Metropole, verbrachte seine Stipendien in der Ukraine, in Ungarn und Bulgarien, wurde 1981 mit dem ungarischen Miklos-Kaplar-Preis ausgezeichnet und war bis zu seiner Übersiedlung in den Westen Direktor der Kunstgewerbeschule zu Kaschau. Seine ersten Ausstellungen fanden in der Tschechoslowakei statt; seine Emigration in die Bundesrepublik Deutschland 1989 begründete er wie folgt: Obwohl er zu Hause ein erfolgreicher Pädagoge und Künstler gewesen sei, sei ihm die künstlerische Freiheit, die Möglichkeit des eigenständigen Denkens und die Unabhängigkeit vom ungünstigen Einfluß kommunistischer Macht wichtiger.

Mit seiner Familie wurde er in Bergisch Gladbach seßhaft. Hier entdeckte ihn der Galerist Herbert Reich, veranstaltete ihm in der Kölner Galerie Inter Art bisher fünf Einzelausstellungen und öffnete ihm die Tore zu anderen Kultureinrichtungen in Deutschland und im westlichen Ausland. Doch Fedkovics alte Heimat wurde nicht vergessen; 1995/96 wurde in Köln seine Wanderausstellung durch sieben Städte der Slowakei organisiert, die von einem reich illustrierten Katalog mit Texten in slowakisch, deutsch und englisch begleitet wurde. Auf den Gebieten Tourismus und Wintersport spielt die Slowakei bekanntlich eine wichtige Rolle. Mit den Fedkovic-Ausstellungen wird nun eine West-Ost-Brücke Kunst dokumentiert.

Seine Motive sind Landschaften, deren Details er jenseits wirklicher Zusammenhänge (surrealistisch) zu neuen Ansichten zusammenfügt, Stilleben, Skulpturen und Architektur der Antike. Der Maler und Kalligraph läßt sich von Dichtungen inspirieren, z.B. der slowakischen Schriftsteller Andrej Sladkovic oder Bohdan Hrobon. Exponate in der Galerie Inter Art tragen Titel wie „Hölderlin: An die Parzen“ und „Ballade vom äußeren Leben – nach dem Gedicht von Hugo von Hofmannsthal“. Die Texte der Dichter, die er in konstruktive Bilder integriert, kalligraphisch gestaltet, sind nicht nur dekorativ ansprechend, sondern weisen auf die Inhalte hin, wenden sich an ein literarisch gebildetes Publikum.  Manche Traumvisione hat Fedkovic zu surrealen Bildern gestaltet. „Fedkovic träumt in seinem Schaffen“, wie Fero Horvat unterstreicht, „von einer Welt, in der er gerne leben würde.“ Andererseits ist seine Welt seit seiner Kindheit die griechisch-katholische Kirche. Schon als Dreißigjähriger schuf er einen Kreuzweg aus vierzehn Bildern für die Kirche in Lesna bei Michalovce.

In seinen Werken vereint Nikolaj Fedkovic Surreales mit einer geometrischen Gestaltung. Doch von den Klassikern des Surrealismus ist er ebenso weit entfernt wie von den sogenannten Abstrakten konstruktivistischen Stils. Er ging stets seinen eigenen Weg.

Nach Beendigung seiner Geburtstagsausstellung wird dieKölner Galerie Inter Art ihn auch weiterhin präsentieren.

Günther Ott (KK)

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