Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1281.

Martin Niemöller in der Türkei

Zitiert als Kronzeuge der freien Medien

In der Auseinandersetzung mit der Regierung Erdogan und deren Versuch, die Mediengruppe Dogan mundtot zu machen, zitieren türkische Medien den evangelischen Theologen Martin Niemöller (1892–1984) und seinen Widerstand gegen Hitler. Als dessen „persönlicher Gefangener" mußte er von 1938 bis Kriegsende in den KZs Buchenwald und Dachau einsitzen mit der täglichen Aussicht, umgebracht zu werden. Als sich der ostpreußische Schriftsteller Ernst Wiechert für Niemöller einsetzte, mußte er ebenfalls ins KZ Buchenwald und schrieb darüber den „Totenwald".

„Hürriyet", die auch in Deutschland vertriebene und wohl einflußreichste Tageszeitung der Türkei, sowie die türkische „Daily News" zitieren in Kommentaren den „deutschen Pfarrer Niemöller" mit seinen bekannten Sätzen, von denen der Kommentator Mehmet Ali Birand sagt: „Ich bin sicher, Sie kennen sie: Zuerst kamen die Kommunisten dran, und ich schwieg, da ich kein Kommunist war. Dann die Juden, und ich schwieg, da ich kein Jude war, dann die Katholiken, ich schwieg, da ich ein Protestant bin, und dann kamen sie zu mir, und da war keiner mehr, um für mich zu sprechen."

Der ehemalige U-Boot-Kommandant des Ersten Weltkrieges Martin Niemöller gründete als Pfarrer in Berlin-Dahlem 1933 den Pfarrernotbund, war Mitglied des Altpreußischen Bruderrats und die Symbolfigur des Widerstandes gegen die nationalsozialistische Überfremdung der evangelischen Kirche. Die „Dahlemer Predigten 1936/37" erschienen erst zwei Jahre vor seinem Tod. In Ankara und Istanbul aber waren sie schon während der NS-Zeit durch die dorthin emigrierten deutschen Wissenschaftler verbreitet worden. Weniger bekannt ist in der heutigen Türkei Niemöllers späteres Verhalten in der Bundesrepublik.

Norbert Matern (KK)

«

»